ABS hätte jeden dritten Motorradunfall verhindert
DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2010 – Motorräder
Nachdem UnfallZeitung erst vor drei Wochen berichten konnte, dass nach Erkenntnissen der ADAC-Unfallforschung Antiblockiersysteme bei Motorrädern jährlich 160 Leben in Deutschland retten und allein 2009 bis zu 6900 Motorrad-Unfälle mit Verletzungen hätten verhindern können, bestätigt nun auch der soeben vorgestellte „DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2010 – Motorräder“ die wichtige Rolle des Motorrad-ABS bei der Unfallvermeidung. Denn nach einer Simulationsstudie der DEKRA Unfallforschung wären durch Ausstattung mit einem ABS 25 bis 35 Prozent der ausgewerteten schweren Unfälle vermeidbar gewesen. Ergänzt durch eine Integralbremse und den derzeit noch in Entwicklung befindlichen Bremsassistenten könnten sich mit 50 bis 60 Prozent sogar doppelt so viele Unfälle vermeiden lassen.
Motorräder das mit Abstand gefährlichste Verkehrsmittel
5126 tödlich verletzte Motorradfahrer registrierte die europäische Unfalldatenbank CARE (Community Database on Road Accidents) für das Jahr 2008 in der Europäischen Gemeinschaft (EU-24). Das entspricht einem Anteil von rund 14 Prozent an den in den 24 EU-Mitgliedsstaaten zu beklagenden insgesamt 37 234 Verkehrstoten. Angesichts der Tatsache, dass Motorräder am Straßenverkehr nur einen Anteil von etwa zwei Prozent haben, signalisiert das dringenden Handlungsbedarf, was die Verkehrssicherheit der Motorradfahrer angeht. Denn Motorräder sind das mit Abstand gefährlichste Verkehrsmittel und deren Fahrer die Verkehrsteilnehmer mit dem höchsten Unfallrisiko.
Neben dem ABS auch der Airbag interessant
Die Bedeutung des ABS als aktivem Sicherheitssystem kann deshalb nach Ansicht der DEKRA Unfallforscher gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Allerdings müssen die Fahrer damit ausgestatteter Motorräder das Bremsen mit diesem System auch beherrschen. Um das zu Erlernen, sind regelmäßige Fahrsicherheitstrainings unerlässlich. Ein hohes Unfallvermeidungspotenzial steckt nach Ansicht der Unfallforscher zudem in einem Motorrad-Airbag, der, wie zahlreiche Crashtests in den letzten Jahren zeigten, dazu beitragen kann die Verletzungsschwere bei Kollisionen mit Pkw als häufigsten Motorrad-Unfallgegner zu verringern und Kopf, Hals und Thorax zu schützen. Auch die Arbeiten an einen speziellen Thorax-Protektor als Schutz insbesondere vor Rippenfrakturen sind viel versprechend.
Schutzkleidung, Protektoren und Helme
Für unerlässlich halten die Sicherheitsexperten das konsequente Tragen von reiß- und abriebfester sowie gut sichtbarer Schutzkleidung und Protektoren sowie Schutzhelmen. Dabei ist Integralhelmen wegen des besseren Schutzes im Kinn- und Gesichtsbereich grundsätzlich der Vorzug vor Halbschalen- oder Jethelmen zu geben. Helme müssen zudem die aktuelle ECE-Norm R 22-05 erfüllen und auf jeden Fall gut sitzen und der Kinnriemen geschlossen sein.
Gefährliche technische Mängel
Wichtig für die Sicherheit von Motorradfahrern ist außerdem der technische Zustand ihrer Maschinen. So wiesen 23,8 Prozent der von DEKRA Unfallforschern in den Jahren 2002 bis 2009 nach Unfällen untersuchten Motorräder Mängel auf, von denen immerhin ein Drittel unfallrelevant waren.
Das verlangt auch in den Ländern, in denen sie bisher noch nicht eingeführt ist, eine regelmäßige Fahrzeugüberwachung.
Gefahr durch Schutzplanken und Bitumen
Von grundlegender Bedeutung für die Sicherheit von Motorradfahrern ist schließlich die Straßeninfrastruktur. Ein hohes Gefahrenpotenzial steckt in den Schutzplanken am Straßenrad. Die schützen zwar Pkw-Fahrer, aber für Motorradfahrer sind sie wegen des großen Abstand zwischen Plankenunterkante und Straße und der ungeschützten Stützpfosten extrem gefährlich. Und eine ernste Gefahrenquelle sind auch Bitumen-Flickstellen auf den Straßen. Denn Dieses Material hat nur ein Drittel des Haftreibwerts normaler Asphaltoberflächen. Bei Nässe oder hohen Temperaturen sinken diese Werte noch weiter, so dass bereits bei Geradeausfahrt aber insbesondere in Schräglage plötzlich auftretende Griffigkeitsunterschiede Motorräder extrem schwer beherrschbar machen. Deshalb fordern die DEKRA Sicherheitsexperten, Bitumenvergussmasse bei Straßenausbesserungen möglichst zu vermeiden.
Eine europäische Unfalldatenbank muss her
Abschließende Forderung im neuen Verkehrsicherheitsreport 2010 ist die nach detaillierten und insbesondere einheitlichen Statistiken zu Motorradunfällen, also einer harmonisierten europäischen Unfalldatenbank als Grundlage zur Schaffung verbesserter Rahmenbedingungen für mehr Sicherheit für Europas Motorradfahrer.
(UnfallZeitung/Ingo von Dahlern)
Fotos:
Winterthur-Versicherungen
ADAC-Presse.
Von Ivd/UnZe am 25. April 2010, 09:45 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 26. April 2010, 13:22 Uhr
Themen: Motorrad | Sicherheit | Versicherung
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