AMI: Zum 25. Jubiläum kommt das aus

Erfolg und Scheitern einer sympathischen Ost-Ausstellung / Gründe, Probleme und ein Rückblick

Als im Juni 1990 mit der „Auto-Vision“ die erste große Automobilausstellung in der Geschichte der DDR ihre Tore auf dem alten Messegelände in Leipzig öffnete, war außer BMW kein anderer deutscher Autobauer präsent; selbst die Hersteller von Trabbi und Wartburg waren nicht gekommen. Fast vollzählig angereist waren dagegen die französischen, italienischen und japanischen Importeure. Eine Sensation für die Besucher offerierten BMW und Saab: Sie boten Probefahrten an. Die wurden von den meist jungen Autofans aus der DDR begeistert angenommen. So avancierte die „Auto-Vision“ mit insgesamt 260.000 Besuchern auf Anhieb zur zweitgrößten deutschen Autoschau nach der IAA in Frankfurt.

Ein Jahr später, die Wende war da bereits vollzogen, hieß die Leipziger Ausstellung „Auto – aber sicher“ und wurde, fast bis zum Schluss, jährlich durchgeführt. 1996 zog sie in die neue Messe, die im Norden Leipzigs aus dem Boden gestampft worden war, und erhielt den griffigen Namen „Auto Mobil International“, kurz AMI.

Es ist traurig, dass die Messe Leipzig und der Verband der internationalen Kfz-Hersteller (VDIK) als ideeller Träger das Ende zum 25. Geburtstag der ostdeutschen Autoausstellung verkünden mussten – zu viele Automarken verweigern der AMI die Gefolgschaft. Vor zehn Jahren sah es noch anders aus. Die AMI war die deutsche Automesse, die auch Besucher aus osteuropäischen Ländern anzog. 2007 konnte sich das Publikum noch auf acht Welt-, drei Europa- und 78 Deutschlandpremieren freuen. Von Alfa Romeo über GM bis zum Volkswagen-Konzern, von Lada über Maybach bis zu Volvo waren alle nationalen und internationalen Automarken vertreten.

Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner betonte zur Absage an diesem Montag, dass man zusammen mit dem VDIK für die AMI „gekämpft“ habe, doch binnen weniger Tage hätten viele Pkw-Hersteller in einer „beispiellosen Entwicklung“ und in kurzer Folge ihre Anmeldungen storniert – obwohl man zuletzt auf dem Anmeldeniveau der vorherigen AMI gewesen sei. VDIK- Präsident Volker Lange sieht als Hauptgrund für das Aus, dass die Unternehmen sich für neue Vertriebs- und Marketingstrategien mit alternativen Kommunikationskonzepten entschieden hätten.

Die Gewichte auf dem internationalen Automarkt haben sich verschoben

Die Welt der Automessen ist in den vergangenen Jahren globaler geworden, die Gewichte auf dem internationalen Automarkt haben sich verschoben. Die großen Automessen in Peking und Schanghai spiegeln die Wichtigkeit der ostasiatischen Märkte mit China als dem weltweit stärksten wider. Die Shows in Genf, Paris, Detroit und Los Angeles haben an Bedeutung gewonnen oder zumindest nicht eingebüßt, während in Frankfurt nach wie vor die international größte und wichtigste Autoschau stattfindet. Und im Zuge der Digitalisierung gewinnen die Mobilfunk- und Elektronikmessen wie in Barcelona oder Las Vegas an Bedeutung, wo sich die Automarken als zukunftsorientiert und lifestylig präsentieren möchten.

Vor diesem Hintergrund denken die international agierenden Autohersteller „strategisch und sehen Leipzig nicht als A-Messe“, sagte VDIK-Sprecher Thomas Böhm gegenüber dem Kraftfahrtberichter. Die Beteiligung an einer Automesse ist aufwendig, die Kosten gehen schon mal in die Millionen. Auch das ist ein Grund für Unternehmen im Sparmodus, der AMI fernzubleiben, zumal sie von vielen Herstellern und Importeuren zunehmend als regionale Ausstellung angesehen wird – was sich auch im kontinuierlichen Rückgang der Premieren ausdrückt.

Mercedes-Benz begründet seine Abwesenheit mit einer „Fokussierung der Aktivitäten“, was sich auf das Engagement bei den Automobilmessen in Deutschland auswirke, erklärte eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem Kraftfahrtberichter. Die Stuttgarter wollen sich auf die IAA „als übergreifende Kernplattform für Messekommunikation in Deutschland“ konzentrieren. Der VW-Konzern hatte sich zwar angemeldet (einschließlich Audi, doch ohne Seat), aber mit erheblich reduzierter Standfläche. BMW und Porsche hielten Leipzig die Treue – aber wohl nur, weil sie Produktionsstätten in der Region unterhalten und den Druck von Politik und Öffentlichkeit fürchteten.

In diesem Jahr haben sogar alle japanischen Importeure „gekniffen“. Nicht ein einziger wäre in Leipzig dabei gewesen – wie überhaupt die VDIK-Mitgliedsfirmen nicht zu „ihrer“ Ausstellung standen. Fiat (mit Abarth, Alfa Romeo und Jeep) müsse Prioritäten setzen, teilte Sprecher Florian Büngener dem Kb mit, und ziehe den Genfer Salon, die Techno-Classica in Essen und die IAA vor. Renault warf mit Blick auf die Absagen der Wettbewerber ganz am Schluss das Handtuch. Aus dem Kreis der Firmen, die sich frühzeitig gegen die AMI entschieden hatten, wird moniert, dass die Messeleitung Vorschläge zur Verbesserung der Ausstellungskonzeption unberücksichtigt ließ. Dabei ging es unter anderem um die Integration von Bereichen wie Caravan, Motorrad und Motorsport in die AMI. So hielten von den Internationalen einzig Hyundai und VW-Tochter Škoda der AMI bis zuletzt die Treue.

Rückgang der Besucherzahlen

Schmerzlich für die AMI war der Rückgang der Besucherzahlen. 2014, bei der vorläufig letzten Runde, war die Begeisterung mit 242.000 Gästen nur mäßig gewesen. Damals schob man es unter der Hand auf das heiße Sommerwetter im Juni, dass 44.000 Menschen weniger im Vergleich zu 2012 gekommen waren. Im stärksten AMI-Jahr 2008 hatten 293.000 Autobegeisterte die Hallen gefüllt. „In Anbetracht der geringen Besucherzahlen sind die Kosten zu hoch“, sagte Andrea Leitner-Garnell, Pressesprecherin von Jaguar und Land Rover, als Begründung für deren Absage. Und spricht damit wohl für viele ihrer Kollegen von der Konkurrenz.

Die jährlich stattfindende AMI hatte es von Anfang an nicht leicht, sich gegen die mächtige Internationale Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main zu behaupten. Nach der Hoch-Zeit in den 1990er und 2000er Jahren zeichneten sich aber Probleme ab. Dem versuchten die Messeverantwortlichen entgegen zu steuern. Die AMI fand ab 2010 nur noch alle zwei Jahre im Wechsel mit der IAA statt, um Konkurrenz zu vermeiden. Dann, 2012, wurde die Leipziger Autoschau in den Juni verlegt, um den Abstand zum Genfer Autosalon zu vergrößern – was ihr aber auch nicht bekam. Daher sollte die AMI 2016 wieder im April stattfinden.

Der Absage gingen lange und wahrscheinlich auch zähe Verhandlungen voraus, bis die Hersteller sich nach und nach zurückzogen. Dabei bot die AMI von Anfang an thematische Aktionstage und Mitmachangebote für die ganze Familie. Europaweit einzigartig waren die Probefahrten und die Spritspar-Runden. Die Besucher konnten aus bis zu 120 Automodellen von 20 Marken auswählen – auch mit alternativen Antrieben. Fahren konnte man sogar auf Bundesstraßen und der Autobahn rund um die Messe. Das Angebot kam so gut an, dass es von der IAA übernommen wurde.

Warum aber die Attraktivität bei den Besuchern zurückging, darüber gibt es keine eindeutigen Aussagen. Jedenfalls gelang es den Ausstellungsmachern nicht, größere Besucherzahlen aus den westlichen Bundesländern anzulocken. Hinzu kommt die anhaltend unsichere ökonomische Situation vieler Menschen gerade in Ostdeutschland, die einen Autokauf in weite Ferne rücken lässt, und auch die abnehmende Begeisterung für das Auto wird sich auswirken, wo doch vor allem jüngere Menschen im Auto eher ein zweckdienliches Transportmittel sehen als eine elektrisierende Ikone – wer das so sieht, wird sich nicht so schnell auf eine Autoschau verlaufen.

Ob die diesjährige Absage das endgültige Aus für die Leipziger Automesse bedeutet, ist nicht gewiss. Auf jeden Fall hat die Messeleitung angekündigt, dass die „New Mobility“, die Fachmesse für verkehrsträgerübergreifende Mobilität von morgen, Mitte April mitsamt der begleitenden Ausstellung „Mobilität neu denken“ stattfinden wird. Auch der zeitgleich angekündigte VDIK- Kongress über alternative Antriebe ist nicht abgesagt.

Jedenfalls wäre es schade um die AMI, die im Vergleich zur IAA allemal sympathischer war. Sie war in Größe und Auftritt nicht so bombastisch, sondern präsentierte sich relativ nah am Verbraucher, so dass man sich im Einzelnen besser informieren und leichter eine Gesamtübersicht verschaffen konnte.

Text: Beate M. Glaser/Kristian Glaser (Kb)
Foto: © masterzphotofo - Fotolia.com

Von RobGal am 10. März 2016, 12:05 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 15. März 2016, 11:20 Uhr
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