Baustellenstress vermeiden
Umsichtig fahren ist besser als versetzt fahren
Manche Autofahrer reagieren unsicher oder gar ängstlich, wenn sie sich einer Autobahn-Baustelle nähern. Schilderwald, Blinklichter, drängelnde Zeitgenossen vorne und hinten erschweren den Überblick. Andere werden aggressiv und handeln nach dem Prinzip „Ich muss durch, nach mir die Sintflut“. Passende Verhaltensweisen könnten den Stressfaktor deutlich verringern.
Unfallursachen im Baustellenbereich
Hektisches Manövrieren und der Drang, die eigene Lage im Vergleich zu dem der anderen zu verbessern sind die Hauptmotive für eine Fahrweise, die besonders unfallträchtig ist. Das zeigen die drei wichtigsten Unfallursachen im Baustellenbereich:
Plötzlicher Spurwechsel
Unmittelbar vor Baustellenbeginn in de linke Spur zu wechseln erhöht die Unfallgefahr. Temporeduktion und Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung sind hier unbedingt erforderlich, um sich bei Zusammenführung der Spuren nach dem Reißverschlussprinzip einordnen zu können.
Unangepasste Geschwindigkeit
Völlig unsinnig, dennoch ständig praktiziert: Im Eingangsbereich der Baustelle wird die Geschwindigkeit nicht nach Anweisung sondern nach eigenem Ermessen reduziert – oder auch nicht reduziert, als wäre es besonders wichtig, sich schneller als andere in die Baustelle zu begeben. Das führt zwangsläufig zu Auffahrunfällen und auch zu seitlichen Zusammenstößen, die an zweiter Stelle in der Baustellen-Unfallstatistik stehen.
Zu geringer Sicherheitsabstand
Als sicher gilt ein Sicherheitsabstand von 2 Sekunden. Man beginnt mit dem Zählen in dem Augenblick, in dem der Vordermann einen Pfosten oder ein Verkehrszeichen passiert. Wenn Sie die gleiche Stelle erst nach 2 Sekunden oder später erreichen, sind Sie im grünen Bereich bezüglich Sicherheitsabstand, falls der Fahrer vor Ihnen plötzlich auf die Bremse tritt.
Neue „Versetzt fahren“-Schilder
Das zunächst nur versuchsweise an einigen Autobahnstrecken eingesetzte Schild fordert PKW- und LKW-Fahrer auf, im Baustellenbereich versetzt zu fahren und LKW nicht zu überholen. Versetzt fahren bedeutet, dass während die LKW, die im Baustellenbereich ohnehin nicht überholen dürfen und in der rechten Spur bleiben, fahren die PKW in der linken Spur jeweils zwischen zwei LKW. Diese Fahrweise soll eine höhere Fahrzeugdichte, gleichmäßigen Verkehrsfluss durch den Baustellenbereich und besseren Überblick für die Fahrer ermöglichen.
Fazit der Unfallzeitung
Die Überholspur im Baustellenbereich ist häufig nur etwa zwei Meter breit. Für routinierte Fahrer mag das schmalspurige Fahren kein Problem sein, aber erstens sind nicht alle Autofahrer routiniert und zweitens sind nicht alle Autos entsprechend dimensioniert. Wenn jemand in die Überholspur wechselt und erst dann merkt, dass es dort ganz schön eng ist, kann eine gefährliche Situation entstehen – das sieht auch der Deutsche Rat für Verkehrssicherheit auch so. Der Fahrer ist verunsichert, eine Rückkehr in die dicht besetzte rechte Spur ist problematisch und die nachfolgenden Fahrer bedrängen ihn wegen der zögerlichen Fahrweise. So kann das versetzte Fahren statt Erleichterung weitere Staus oder Unfälle verursachen. Es kann wesentlich entspannter sein, den Baustellenbereich hinter einem LKW in der sicheren rechten Spur vorbeiziehen zu lassen. Die allerbeste Lösung wäre, wenn die Fahrausbildung und Führerscheinerweiterungen in der Lage wären, Autofahrer auch für derartige Situationen zuverlässig vorzubereiten.
Fotoquelle nach Reihenfolge:
© leiana - Fotolia.com
© Unfallzeitung.de
© obs/DVR
Von RobGal am 27. Juni 2010, 14:38 Uhr veröffentlicht
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