Das Sterben auf der Straße

Unfallstatistik zeigt Trendwende

Nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2011 nimmt die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle ab, aber die Zahl der Verkehrstoten steigt wieder bedenklich. Das ist eine klare Trendwende nach jahrelang rückläufigen Opferzahlen. Was sagt uns das und wie soll es weitergehen?

Die Fahrzeughersteller ließen es nicht an Innovationen auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit fehlen. Ausgefeilte Sicherheitseinrichtungen und gut eingespielte Rettungssysteme waren der Grund für die in den letzten Jahren rückläufige Unfallstatistik. Wenn nun die Zahl der Unfalltoten erneut steigt, ist nicht nur Verkehrsminister Ramsauer gefordert. Wir alle sollten dazu beitragen, dass die Zahl der Verkehrstoten wieder sinkt.

Tausendmal gehört, dennoch nicht genug hingehört

Kleinkinder gehören in den Kindersitz, Schulkinder sollten für den Weg zur Schule entsprechend gekleidet sein. Der Kopfhörer wirkt wie eine Hörbehinderung im Straßenverkehr. Fahrradfahrer sollten einen Halm haben und ihn auch tragen. Fahrer und Insassen müssen den Sicherheitsgurt auch für kurze Strecken anlegen. Autofahrer haben nur das Lenkrad in der Hand, nicht ihr Mobiltelefon oder sonstige die Aufmerksamkeit ablenkende Gegenstände.

Langweilig, viel zu oft gehört? Das mag sein. Aber wenn alljährlich eine Anzahl Menschen aus dem Leben scheiden muss, die der Bevölkerung eines großen Dorfes entspricht, müssen wir erkennen, dass wir selbst es sind, die die gröbsten Fehler machen. Wir überschätzen unsere Fähigkeiten und Reflexe, während wir Gefahren und Risiken viel zu häufig unterschätzen. Medikamente, Drogen und Alkohol tun ein Übriges für eine verminderte Reaktionsfähigkeit.

Je größer umso sicherer

Seit meiner Zeit im Bergungsdienst hat sich daran nichts geändert: Sitzt man in einem großen Auto, wird man eher von den tödlichen Folgen eines schweren Unfalls eher verschont als in einem Kleinwagen. Hier spielt es auch keine Rolle, ob der Kleinwagen 5 Sterne im Crashtest erreicht hat oder nicht. Der Einfluss der Größe ( Masse) bewahrheitet sich immer wieder, wenn ich heute als KFZ- Sachverständiger Unfallbilder auswerte. Der ADAC-Crashtest mit einem Q7 und einem Fiat 500 hat sehr anschaulich bewiesen: Von einem Kleinwagen bleibt nicht viel übrig, weil bei einem Zusammenprall das große Fahrzeug zuerst die Knautschzone des Kleinen „verbraucht“, bevor die Energie in die eigene Knautschzone geleitet wird.




Unfallschwerpunkt Landstraße

Mehr als die Hälfte (59 Prozent) aller tödlichen Unfälle ereignet sich auf Landstraßen. Das Risiko eines tödlichen Verkehrsunfalls ist doppelt so hoch als es auf allen anderen Straßenarten ist. An zweiter Stelle stehen Unfälle mit Todesfolge in der Stadt, die Autobahn ist das vergleichsweise sicherste Pflaster. Die Ursachen für die führende Rolle der Landstraße sind vielfältig. Tatsache ist, dass die mitunter reizvolle Umgebung niemanden über die auf der Landstraße lauernden Gefahren hinwegtäuschen sollte. Sehr oft sieht man junge Mütter mit kleinsten Fahrzeugmodellen, in denen sich Kindersitz an Kindersitz reiht. Papi allein dagegen fährt im Mercedes 500 oder Audi Q7 vor. Gerade für Personen, die häufig auf Landstraßen fahren, ist eine kraftvolle, größere Karosse geeigneter als ein Kleinwagen, der wiederum im Stadtverkehr seine Stärken beweisen sollte. Die Kleinwagen sind bei einer Kollision im Stadtverkehr theoretisch nicht so hohen Kräften ausgesetzt.

Roberto Galifi
Fotos, Film, Infografik: ADAC
Verletzungsrisiko Frontalaufprall
Audi Q7 gegen Fiat 500


infografikcrashtest.pdf 112 KB

Von RobGal am 14. Februar 2012, 16:30 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 16. Februar 2012, 14:07 Uhr
Themen: Politik | Statistik | Unfall

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