Der Beginn der Unfallforschung

Die ersten Crashtests

Die Geburtsstunde der Crashtests schlug um 1960. Mercedes Benz war mit einer Schleppanlage und einer sogenannten Korkenzieherrampe einer der Pioniere

Die Rampe gab dem Fahrzeug den richtigen Dreh, damit es im freien Flug auf dem Dach landete. Ein weiterer Pionier, Porsche, benutzte einen senkrecht aufgestellten Pfahl und ließ es krachen.


Die Heißwasserrakete
Ideal ist die Beschleunigung der Versuchswagen mit der Schleppanlage aber noch nicht. Dr. Ernst Fiale schafft 1962 Abhilfe:
Für die Unfallexperimente der Mannschaft um Karl Wilfert konstruiert er eine Heißwasserrakete, die nun die Fahrzeuge ohne Schleppleine antreibt. Das auf einem einachsigen Anhänger montierte Gerät wird hinter dem Versuchswagen angebracht und besteht aus einem Druckbehälter, einem schnell öffnenden Ventil und einer Ausströmdüse. Um Schub zu erzeugen, wird vor dem Experiment der zu etwa 75 Prozent mit Wasser gefüllte Behälter beheizt, bis die Temperatur des Wassers circa 260 Grad Celsius erreicht hat. Der dabei entstehende Überdruck treibt nach dem Öffnen des Ventils Automobil und Rakete an und beschleunigt das Ensemble auf mehr als 100 km/h. Manchmal allerdings schiebt die Heißwasserrakete das Auto auch an der Barriere oder der Rampe vorbei.
Crash-Tests ohne solche Zwischenfälle gelingen ab 1973 im neuen Versuchszentrum in Sindelfingen. Auf der 65 Meter langen Beschleunigungsstrecke zieht ein Linearmotor mit 53 000 Newton Schubkraft die Autos zielgenau gegen eine 1000 Tonnen schwere Barriere, die auf einer sehr sensiblen Kraftmessplatte ruht. Als 1998 das Mercedes-Benz Technologie-Center (MTC) geschaffen wird, erfährt die Crash-Anlage eine grundlegende Erneuerung. Mit einem finanziellen Aufwand von 2,3 Millionen Euro wird die Anlage auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Die Beschleunigungsstrecke ist auf 95 Meter angewachsen, alle Varianten der Crash-Tests sind nun möglich. Das betrifft insbesondere den Offset-Crash, der in der Realität deutlich häufiger vorkommt als die frontale Kollision eines Fahrzeugs. Die Aufzeichnung der Versuche erfolgt nicht mehr durch eine Hochgeschwindigkeits-Filmkamera, sondern jetzt speichert Videotechnik den Verlauf des Unfalls. Die sehr hohe Frequenz der Bildfolge ist gleich geblieben, so lassen sich die Unfallversuche detailliert in extremer Zeitlupe auswerten. Beim Umbau ist die Anlage auch überdacht worden, nun können Versuche mit Personenwagen sowie mit Nutzfahrzeugen vom Wetter unabhängig stattfinden.So mancher missglückte Testversuch endete damit, dass das Fahrzeug von der Werksfeuerwehr aus einem nahe gelegenen Bach gezogen werden musste.


Ab 1970 begann man bei Mercedes Benz mit der realen Unfalluntersuchung. In Baden-Württemberg wurden in Absprache mit der Polizei systematisch tatsächlich geschehene Unfälle mit Verletzten untersucht. Auch andere Hersteller begannen, sich mit den realen Unfällen auf den Straßen zu beschäftigen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind von größter Bedeutung, denn die vielfältigen Aspekte der Straße lassen sich mit einer Crashanlage nur schlecht darstellen. Die heutigen Crashanlagen sind in erster Linie Großrechner.

Mercedes-Unfallforscher bei der Arbeit: Seit 1969 analysiert und rekonstruiert die Unfallforschung der Stuttgarter Automobilmarke Verkehrsunfälle, um weitere Erkenntnisse für die Sicherheitsentwicklung der Mercedes-Modelle zu gewinnen.


Hier werden Vorkenntnisse gesammelt, hier können auch verschiedene Unfallsimulationen durchgeführt werden. Das spart sehr viel Geld. Im anschließenden realen Test können dann die letzten Erkenntnisse für die Produktion erarbeitet werden.
Hochleistungsrechner lassen es bei Audi krachen Einblick von oben: Mit den Crash-Simulationen ist es möglich, den Unfall aus verschiedenen Blickwinkeln zu analysiere
Dennoch: Es sterben immer noch zu viele Menschen auf den Straßen. Aber die Unfallforscher arbeiten daran, dass es Jahr für Jahr weniger werden.


RobGal
Pressefotos Mercedes Benz, AUDI

Von RobGal am 11. Mai 2009, 08:39 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 18. Juni 2011, 10:08 Uhr
Themen: Tests | Zeitmaschine



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