Der Nagel im Kopf

Unabhängigkeit bürgt für Qualität

Qualifizierte und unabhängige Unfallschaden-Feststellung ist für das Kraftfahrzeuggewerbe unverzichtbar. Dies wurde beim diesjährigen 24. Sachverständigentag des Bundesverbandes des BVSK (=Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen) wiederholt betont.

Dass kundenorientierte Qualität auf diesem Gebiet nur durch unabhängige Sachverständige und Anwälte erreichbar ist, die einzig die Interessen der Geschädigten oder der Versicherungsnehmer vertreten, kann man nicht oft genug betonen. Wer aber für die Qualität der Schadensregulierung demonstrativ eine Lanze bricht, der muss auch glaubwürdig sein.

Die anwesenden unabhängigen Sachverständigen trauten ihren Ohren kaum, als sie das hohe Lied von der Qualität und Unabhängigkeit in der Schadensregulierung ausgerechnet von Friedrich Nagel, dem Präsidenten des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugbau (ZKF) vernehmen mussten.

Vom Saulus zum Paulus
Nagel hatte in der Vergangenheit die von den Versicherungen initiierte Schadenslenkung aktiv unterstützt. Die bewusste Lenkung der Schadensabwicklung, auch Schadenssteuerung genannt, begünstigt die Tätigkeit von Firmen, die die Interessen der Versicherungen vertreten und somit zwangsläufig die Rechte der Geschädigten beschneiden. Durch die Schadenslenkung werden unabhängige Sachverständige und Anwälte aktiv aus dem Geschäft gedrängt.

Branchenkenner erinnern sich noch gut daran, als Nagel später vom Saulus zum Paulus wurde und den Werkstatt-Vertrag mit Motorcare, einem Dienstleister der Versicherungen, in einem offenen Brief gekündigt hat. Unmittelbare Ursache der Kündigung war, dass die Versicherungen die Sparschraube kräftig angezogen hatten. Durch seine konsequente Abkehr von der Abhängigkeit und seine scharfen Attacken gegen die Versicherungen wurde Nagel damals mein Vorbild. Er kämpfte an vorderster Front, und nahm sich kein Blatt vor den Mund bei Veranstaltungen, an denen auch Vertreter der Versicherungen teilnahmen.

Vom Paulus wieder zum Saulus

Meine damalige Begeisterung bekommt nachträglich einen bitteren Nachgeschmack. Denn Friedrich Nagel stellt sich wieder auf die Seite der Versicherungen, indem er die Zusammenarbeit im Rahmen des „FairPlay“-Modells der Allianz befürwortet. Unabhängige, im Interesse der Geschädigten tätige Sachverständige und Anwälte ziehen dabei wieder das Kürzere, auch wenn der ZKF-Präsident von einer „Win-win-Situation“ spricht (Quelle: Zeitschrift „Fahrzeug und Karosserie“, Ausgabe 06/09).

Win-win-Situation - für wen?

Bei der Schadenslenkung kann es nur einen Gewinner geben: die Versicherungen. Vereinbarungen zwischen Versicherungen und Werkstätten können nur das eine Ziel haben: Kostenreduktion für die Versicherung. Im Gegenzug lotst die Versicherung Kunden zu seinen Partnerwerkstätten. Friedrich Nagel müsste aus eigener Erfahrung besser wissen, auf was er sich einlässt. Seinen offenen Brief aus dem Jahr 2003 sollte er gut aufbewahren, als Muster für die nächste Kehrtwendung.

Fazit der Unfallzeitung
Unsere Interessenvertretungen brauchen eine Person an der Spitze, die ihren Mantel nicht nach dem Wind hängt. Glaubwürdigkeit ist das Gebot der Stunde - damit wir den Nagel aus dem Kopf bekommen.


Roberto Galifi
Foto © Perrodactyle - Fotolia.com

Von RobGal am 28. Oktober 2009, 15:05 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 03. November 2009, 19:07 Uhr
Themen: Politik | Sachverständige | Verbände | Versicherung



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