Die mit den Ampeln reden

Ford forscht für mehr Sicherheit an der Kreuzung

Wir durchfahren sie im täglichen Straßenverkehr oft im Sekundenabstand: Kreuzungen. Und überall, wo sich Verkehrsströme kreuzen, besteht Gefahr – die Gefahr nämlich, dass die sich kreuzenden Fahrzeuge kollidieren. Um dieser Gefahr zu entgehen, heißt es Aufpassen – an jeder Kreuzung von neuem. Doch wenn sich bei starkem Verkehr Fahrzeuge aus allen Richtungen gleichzeitig nähern und das auch noch in großer Zahl, dann ist die Situation kaum noch beherrschbar. Wer hat Vorfahrt, wer muss warten, in welcher Reihenfolge darf gefahren werden – das in Sekundenbruchteilen eindeutig zu entscheiden, ist eine glatte Überforderung aller Beteiligten. Deshalb muss von außen eingegriffen werden: durch Verkehrsregelung.

Verkehrspolizisten – bei uns „ausgestorben“

Früher übernahmen das Verkehrspolizisten. Ein herausfordernder und gefährlicher Job inmitten der Fahrzeugströme, den manche mit einer bewundernswerten Virtuosität beherrschten. In manchen Ländern kann man sie auch heute noch erleben. Bei uns sind sie inzwischen ausgestorben. Und wenn der Ausfall der Technik einmal dazu zwingt, dass Polizisten eingreifen müssen, dann sind deren Aktionen oft genug nur noch wenig überzeugend und manchmal geradezu beängstigend ungeschickt. Aber wie soll es auch anders sein, wenn die Routine fehlt.

Heute macht’s die so genannte LZA

Denn die den Verkehr regelnden Polizisten sind seit Jahrzehnten längst ersetzt durch das, was wir als Ampel kennen. Im Bürokraten- und Juristendeutsch heißt sie Lichtzeichenanlage (LZA) – nicht ganz korrekt sprechen viele im Alltag auch von Lichtsignalanlage. Doch ungeachtet der Sprache: Ampeln mit ihren permanenten Wechsel von Rot auf Grün und Grün auf Rot – meist mit einem Gelb als Zwischenstufe - sind heute das weltweit eingesetzte Mittel der Wahl, um sich kreuzende Verkehrsströme erfolgreich in den Griff zu bekommen.

Problem: die „Rotlichtverstöße“

Und das funktioniert hervorragend. Aber leider auch nur so lange, wie sich jeder an die Regeln hält. Kommt nur ein einziger auf die Idee, bei rotem Licht für ihn trotzdem in eine Kreuzung einzufahren, ist bei starkem Verkehr ein Unfall geradezu programmiert. Weil das so ist, werden „Rotlichtverstöße“ auch streng geahndet – wobei wir in Deutschland das Problem haben, dass Radfahrer hier aus unerklärlichen Gründen weitgehend ausgeklammert werden, aber das ist ein anderes Kapitel. Doch trotz harter Strafen kann man Rotlichtverstöße nicht ausschließen. Vor allem der Versuch, trotz angekündigter Rotphase noch schnell über die Kreuzung zu huschen, ist täglich zu sehen. Und um ehrlich zu sein, nur wenige können sich absolut davon frei sprechen, es selbst nicht auch schon mal versucht zu haben.

„Drittes Auge“ für das Fahrzeug

Weil das so ist, muss man ampelgeregelte Kreuzungen gegen menschliche Schwächen absichern. Der Ansatz dazu, über den Ford dieser Tage mit Blick auf eine „intelligente Verkehrskreuzung“ berichtete, ist im Prinzip ganz einfach. Denn neben den Augen der Fahrzeuglenker, die auf die Lichtzeichen blicken, blickt auch das von ihnen gesteuerte Fahrzeug mit einem „dritten Auge“ auf die Kreuzung. Dieses elektronische Auge, das sich mit der Elektronik der Ampelanlage austauscht – Fachleute nennen das Vehicle-to Infrastructure-Communication oder kurz V2I-Comminication - erhält dabei in Sekundenbruchteilen eine umfassende Information über die aktuelle Verkehrssituation an der Kreuzung und damit auch wichtige Warnhinweise auf eventuell drohende Gefahren.

Warnung durch den „Kreuzungs-Assistenten“

Solche Gefahrenwarnungen werden in den bordeigenen Sicherheitssystemen der Fahrzeuge, die sich einer Kreuzung nähern, direkt verarbeitet. Optisch und akustisch werden sie dem Fahrzeuglenker zum Beispiel durch einen „Kreuzungs-Assistenten“ angezeigt. Und für den Fall, dass er auf dessen Warnungen nicht oder nicht schnell genug reagiert, werden bordeigene Sicherheitssysteme aktiviert, die je nach Sicherheitsphilosophie im Ernstfall dann auch selbst eingreifen können

Prinzip ganz einfach – Umsetzung extrem anspruchsvoll

Wenn auch der Grundgedanke hinter solchen Systemen ganz einfach ist – die Umsetzung verlangt hohen Aufwand. Denn schließlich muss von geeigneten Detektoren die Verkehrssituation an der Kreuzung zuverlässig erkannt und absolut zuverlässig ausgewertet werden und an die beteiligten Fahrzeuge kommuniziert werden. Das verlangt neben viel Hardware auch raffinierte Software sowohl an der Kreuzung selbst als auch in den Fahrzeugen. In den USA erprobt Ford solche Systeme derzeit auf einer „intelligenten Verkehrskreuzung“ nahe dem konzerneigenen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Dearborn. Und eine wichtige Rolle bei solchen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten spielt auch das bereits 1994 gegründete Ford Forschungszentrum in Aachen.


Forschungsprojekt „Sichere intelligente Mobilität“


Zu dessen aktuellen Aktivitäten gehört zum Beispiel das Forschungsprojekt „Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland“. Der bis Ende 2012 laufende Großversuch mit 400 Fahrzeugen, davon mehr als von Ford, konzentriert sich auf den Ballungsraum Frankfurt am Main. Er soll die Alltagstauglichkeit von kooperativen drahtlosen Kommunikationssystemen zwischen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur sowie ihre flächendeckende Anwendbarkeit im realen Verkehrsgeschehen testen.

Alle Beteiligten müssen sich verstehen können

Darüber hinaus engagiert sich Ford im Rahmen des „DRIVE C2X“-Projekts (Fahrzeug-zu-X-Kommunikation, wobei das „X“ ein Platzhalter für Car-to-Car und Car-to-Infrastructure-Kommunikation ist) für einen europaweit einheitlichen Standard für vernetzte Kommunikations- und Anwendungssysteme. Denn funktionieren können solche Systeme nur, wenn wenn alle vernetzten Fahrzeuge vergleichbare Techniken nutzen und sich verstehen, weil sie eine gemeinsame „Sprache“ sprechen. DRIVE C2X wird von der Europäischen Kommission gefördert und steht für „DRIVing implementation and Evaluation of C2X communication technology in Europe“ (Vorbereitung der Implementierung und Bewertung von C2X-Kommunikationstechnologien„). Es wurde gerade erst im Januar 2011 gestartet und vereint mehr als 40 Interessengruppen – von Automobilherstellern und Zulieferern über Universitäten bis hin zu öffentlichen Organisationen“.
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Fotos: Ford

Von Ivd/UnZe am 23. März 2011, 14:58 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 23. März 2011, 15:09 Uhr
Themen: Hersteller | Sicherheit

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