Glasfasern statt Stahl im Beton

Spektakulärer Test bestätigt Tauglichkeit von Glasbeton-Anprallwand

Der Fahrer des 36-Tonnen-Sattelschleppers scheint die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren zu haben. Ungebremst rast es mit Tempo 80 im spitzen Winkel von 15 Grad auf die Barriere am Brückenrand zu. Beim kraftvollen Aufprall fliegen Teile des Fahrerhauses durch die Luft. Doch man möchte es kaum glauben – die gerade einmal bis zur Unterkante der Fahrertür reichende Barriere hält. Während sich Fahrerhaus und Auflieger des schweren Trucks zum Teil zerlegen, wird das Fahrzeug sicher aufgefangen, auf der Fahrbahn gehalten und kommt nach 50 Metern zum Stehen. Die in sicherer Entfernung postierten Beobachter dieses spektakulären Crashs sind erleichtert. Denn für die bis auf kräftige Kratzer und Farbspuren unbeschädigte Anprallwand heißt das: Test bestanden!


Korrosionsgefährdetes Innenleben


Rund 1,15 Meter hohe leicht angeschrägte Betonwände werden heute statt der seit Jahrzehnten am Rand insbesondere von Schnellstraßen und auf Brücken eingesetzten Schutzplanken aus Stahl – früher nannte man sie Leitplanken – immer öfter eingesetzt. Und natürlich bestehen diese Betonwände nicht nur aus Beton, sondern haben ein Innenleben, nämlich eine Bewehrung aus Stahl. Erst diese stählerne Verstärkung gibt solchen Bauteilen die nötige Stabilität. Doch sie kann bei allen Stahlbetonkonstruktionen zu einem Problem werden, wenn dieser Stahl korrodiert, weil sich die Materialeigenschaften des umgebenden Betons verändern oder Feuchtigkeit ins Bauteil eindringt. Schon manche Betonstahlkonstruktion, ja sogar komplette Brücken mussten deshalb unter hohen Kosten abgerissen und erneuert werden.

Es gibt eine Alternative zu Stahl: Glas


Schutz vor solchen Folgeschäden bietet unter anderem eine Feuerverzinkung oder Epoxidharzbeschichtung des verwendeten Baustahls. Und auch der Einsatz von nichtrostenden Stählen bis hin zu speziellen Edelstählen ist eine Lösung. Doch jede dieser Lösungen verursacht Zusatzkosten, die zum Teil erheblich sein können. Doch muss eine Betonbewehrung denn unbedingt aus Stahl bestehen, gibt es eventuell eine Alternative. Es gibt sie: Glas. Bereits in den 70-ern begann die damalige Schöck Bauelemente GmbH in Steinbach mit Glasfasern als Betonbewehrung zu experimentieren und hatte Erfolg. Und mit der Vorstellung der ersten Bauteile aus Glasfaser-Beton gab sich das heute mit seiner Zentrale in Baden-Baden ansässige Unternehmen den neuen Namen Schöck Betonelemente GmbH, aus dem schließlich die Bezeichnung Schöck Bauteile GmbH wurde.

Wenn Stahl an seine Grenzen stößt


Inzwischen sind Beton-Bauteile mit Glasfaser-Bewehrung eine der Spezialitäten von Schöck, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Stahl an seine Grenzen stößt. Dann bietet Schöck Bauteile mit ComBAR an, einer dauerhaften Bewehrung aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die nicht rostet, weder magnetisch, elektrisch noch thermisch leitet und eine Verbundeigenschaft ähnlich wie Betonstahl hat. ComBAR ist auch das Herzstück jeder Anprallwand, die mit dem spektakulären Aufprall-Test eines Trucks ihre Bewährungsprobe bestanden hat. Entwickelt wurde sie unter der Leitung von Prof. Khaled Sennah von der Ryerson University im kanadischen Toronto in Kooperation mit dem Verkehrsministerium der kanadischen Provinz Ontario (MTO). Der Test selbst fand beim Texas Transportation Institute (TTI) statt, einem der erfahrensten Institute für Anprallversuche an Barrieren, Wänden und Autobahneinrichtungen in Nordamerika.

Nordamerika setzt verstärkt auf Glasbeton


Nordamerika werden im Straßenbau und dort insbesondere bei Brücken zunehmend Anprallwände mit Bewehrungen aus Glasfasern eingesetzt, die das Abkommen von Fahrzeugen von der Fahrbahn verhindern sollen. Mit diesen Bauteilen vermeidet man die Korrosionsprobleme, die oft beim Einsatz von traditionellem Baustahl auftreten. Neben der Tatsache, dass die glasfaserbewehrten Bauteile über ähnliche bauphysikalische und mechanische Eigenschaften wie Betonstahl verfügen, spricht für sie auch, dass sie erheblich leichter und in aggressiven Umgebungen beständig sind – und zudem auch noch magnetisch nicht leitend. Mit seiner 2009 in Kitchener (Ontario) gegründeten Tochtergesellschaft Schöck Canada Inc. hat sich der deutsche Bauteile-Spezialist Schöck mit seinen Glasfaser-Betonteilen eine wichtige Marktposition in Nordamerika erarbeiten können, zu deren Festigung der spektakuläre Aufpralltest einen wichtigen Beitrag geleistet hat.
Link zum Video:
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Fotos. Schöck GmbH

Von Ivd/UnZe am 17. August 2011, 11:06 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 24. August 2011, 15:43 Uhr
Themen: Tests | Unfall



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