Gute Sicht ist Pflicht!

Adleraugen sind, wie der Name unmissverständlich klar macht, dem Greifvogel vorbehalten. Um wenigstens annähernd die Sehkraft des deutschen Wappentiers zu erlangen, greifen 62 Prozent der Menschen zur Brille. Doch nicht jede Sehhilfe ist für den Gebrauch im Straßenverkehr geeignet. Etwa 85 Prozent aller Sinneseindrücke nimmt der Mensch über die Augen wahr. Lassen die Eindrücke an Schärfe vermissen, ist augenblicklich eine Brille fällig. Gerade beim Führen von Fahrzeugen ist ein ungetrübter Blick eine wahre Lebensversicherung, eine Brille demnach unvermeidbar. Doch längst nicht jede Brille ist für die Arbeit hinterm Lenkrad geeignet. Eine typische „John Lennon-Nickel-Brille“ ist zwar ein eindeutiges Zeichen der Individualität, aber nach Ansicht des Kuratoriums Gutes Sehen e.V. (KGS) für den Gebrauch im Straßenverkehr denkbar ungeeignet. Schmale Fassungsränder, dünne und hoch angesetzte Bügel zeichnen nach Erfahrung des Kuratoriums eine perfekte Brille für Fahrzeugführer aus.
Entscheiden für den richtigen Durchblick ist zweifelsfrei das Material der „Gläser“. Dem Verlangen der Kunden nach leichten Modellen trägt die Brillenindustrie mit Kunststoffgläsern Rechnung. Tatsächlich ist diese Variante deutlich leichter und obendrein noch bruchsicher. Allerdings verkratzen sie deutlich schneller als echtes Glas. Lediglich eine optional erhältliche Beschichtung macht den Kunststoff so kratzfest wie Mineralglas. Kratzer in einer Brille verursachen – ähnlich wie Kratzer an der Windschutzscheibe – Streulicht und Reflektionen. Zwar können Augen die Beschädigungen der Brillengläser ausgleichen, was jedoch sehr anstrengend für das Organ ist und schon nach kurzer Zeit zu Kopfschmerzen und Übermüdung führen kann. Auch wenn eine Versiegelung der Brillengläser auf den ersten Blick etwas teurer ist, macht es sich am Ende doch bezahlt.

Für Straßenverkehrstaugliche Brillen gilt: Form follow function! Die Auswahl bleibt dennoch schier unübersichtlich und oft ist nur mit fachkundiger Hilfe eine gute Wahl zu treffen.

Augen zu und durch ist verboten!
Gemäß Fahrerlaubnisverordnung (FEV) muss der Fahrer fahrtüchtig sein. Dazu zählt auch gutes Sehen: Wer weiß, dass er mangelnde Sehkraft hat, ist gesetzlich dazu verpflichtet, entsprechende Abhilfe zu schaffen. Selbst das Gefühl schwindender Sehkraft verpflichtet dazu. Wer sich dem entzieht, kann beim Unfall wenigstens einer Mitschuld angelastet werden. Inklusive aller juristischer Folgen wie zum Beispiel Mithaftung!


Polarisierend, entspiegelt, beschichtet
Wichtig bei der Gläserwahl ist neben optischer Qualität insbesondere eine richtige Sehstärke: Stimmen Brillen- und Augenparameter nicht überein, führt auch das zu schneller Ermüdung, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten, die besonders beim Führen von Fahrzeugen fatale Folgen haben kann. Übrigens: Die Sehschärfe ändert sich ständig und sollte daher regelmäßig vom Augenarzt geprüft werden. Als Faustregel gilt, alle fünf Jahre einen Sehtest, ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre.
Glasflächen reflektieren Licht, wodurch es zu störenden Spiegelungen kommt, was auch bei Brillen der Fall ist. Sind die Gläser jedoch entspiegelt, treten lästigen Reflexionen nicht auf, automatisch dringt mehr Licht durchs Glas, was vom Auge gerne aufgenommen wird. Besonders bei Nachtfahrten oder regennassen Straßen sorgt eine Entspiegelung für weniger Anstrengung der Augen und somit für mehr Fahrsicherheit. Das Kuratorium Gutes Sehen empfiehlt besonders Vielfahrern entspiegelte Gläser.
Blindflüge durch tief stehende Sonne, Reflektionen oder gleißende Straßen sind nicht nur unangenehm, sondern auch brandgefährlich. Das Auge alleine kann hier keine Abhilfe schaffen, lediglich die Brille bringt Hilfe. Polarisierende Gläser filtern reflektierendes Licht heraus, das - anders als Tageslicht - nur in eine Richtung schwingt. Zwar sind Blendungen noch immer da, können aber dem Autofahrer dank polarisierender Gläser nichts mehr anhaben.
Blendungen haben häufig aber auch eine ganz banale Ursache: Die Gläser sind schmutzig! Wer des ständigen Putzens müde ist, lässt sich die Brille mit einer Anit-Schmutz-Beschichtung versehen. Zwar müssen auch solche Gläser von Zeit zu Zeit geputzt werden, jedoch nicht so häufig wie die unbeschichteter Brillen.

Schneller Selbsttest
Wer gute Augen hat und perfekt sieht, kann die Beschriftung einer Autobahnabfahrt aus 100 Meter Entfernung klar und deutlich lesen. Bei einer Fehlsichtigkeit von nur einer Dioptrie und ohne Brille lässt sich die Beschriftung erst bei einem Abstand von 25 Meter erkennen.


Für Straßenverkehrstaugliche Brillen gilt: Form follow function! Die Auswahl bleibt dennoch schier unübersichtlich und oft ist nur mit fachkundiger Hilfe eine gute Wahl zu treffen.


Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter
Sonnenbrillen sind für viele ein schlichtweg modisches Accessoire und werden häufig nur auf dem Kopf getragen – nicht selten, um die Haare von der Stirn fernzuhalten. Dabei sind, vom Trend abgesehen, Sonnenbrillen echte Helfer, die gerade im Auto stets zur Hand sein sollten, nicht nur im Sommer, worauf das Kuratorium Gutes Sehen mit Nachdruck hinweist. Fehlsichtige sollten bei der Wahl auf eine Brille mit entsprechender Korrektur zurückgreifen.
In Sachen Farbintensität rät das Kuratorium sich für nicht allzu dunkle Gläser zu entscheiden. Was gerne als Ansichtssache gesehen wird, ist in fünf Kategorien eingeteilt. Für den Straßenverkehr sind die Blendschutzkategorien zwei und drei empfehlenswert. Bei Fahrzeugen mit getönten Scheiben ist es ratsam, sich zur helleren Variante zu bekennen. Eine zu dunkle Tönung lässt bei extremen Licht-Schatten-Situationen Hindernisse mit schmalen Silhouetten wie Radfahrer oder Fußgänger nur schwer erkennen.
Empfehlenswert für Fahrzeugführer sind Gläserfarben in grau, grün oder braun, denn sie verfälschen die Farbwahrnehmung am geringsten. Besonderes Augenmerk auf die Tönung müssen Verkehrsteilnehmer mit Farbsinnstörungen legen – etwa jeder achte Mann ist davon betroffen! Wer beispielsweise unter einer Grünstörung leidet und eine Sonnenbrille mit intensiver Grüntönung trägt, wird sich mit dem Erkennen von Signallichtern schwer tun. Gleiches gilt für Rotstörung und rote Gläser. Vorsicht ist bei selbst tönenden Brillen geboten, denn Autoscheiben filtern das Gros der UV-Strahlen heraus, die zum Tönen der Gläser erforderlich sind. Auch wer denkt, in Dämmerung oder Nacht die Sonnenbrille als Blendschutz für Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge einzusetzen, sollte gewarnt sein: Schon beim Sonnenuntergang verringert sich der Kontrast und Gefahrensituationen lassen sich spät – im schlimmsten Fall zu spät – erkennen. Der Straßenverkehr ist kein Laufsteg, Brillenkauf ist kein Lotteriespiel, da es bei Sehhilfen um Sicherheit geht, gilt der Grundsatz: Erst die Funktion, dann die Form!
Text / Foto: Uwe Meuren
Foto: Einz und zwei
© Galina Barskaya - Fotolia.com
© Thomas Francois - Fotolia.com

Von UM am 17. Dezember 2010, 23:07 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 20. April 2011, 20:36 Uhr
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