Harley - Mythos auf zwei Rädern

Was tun, wenn das Prachtstück zum Versicherungsfall wird?

Der unverkennbare Harley-Ton lässt die Herzen vieler Männer (und inzwischen auch die vieler Frauen) höher schlagen. Eine Harley ist mehr als nur eine Marke wie jede andere. Sie ist Objekt der Begierde, Freiheitssymbol, Hobby und Lebensart in einem. Aber bei einem Unfall wird aus dem Traum schnell ein Alptraum, auch wenn Menschen dabei nicht verletzt werden.


William Harley und die Davidson-Brüder wollten damals einfach nur eine sehr stabile, zuverlässige und alltagstaugliche Maschine bauen. „Silent grey fellow“ (‚stiller grauer Kumpel’) war der Name des ersten Modells, weil er grau lackiert war und für die damalige Zeit ungewöhnlich leise lief. Die Beiden hätten sich nicht träumen lassen, dass aus dem Produkt irgendwann ein Mythos wird, dessen Zauber sich kaum jemand entziehen kann. Der alte Harley-Witz („Mein Harley verliert kein Öl, sie markiert nur ihr Revier“) zeigt anschaulich, dass die Maschine für ihre Besitzer so etwas wie ein beseeltes Wesen darzustellen vermag.


Harley - die Kultmaschine



Eine Harley ist ein teueres Vergnügen, denn bei der Motorkonstruktion wird inzischen mit Porsche zusammengearbeitet. Neuwerte von über 30.000 Euro sind keine Seltenheit, und Prachstücke von Veredlern der Firma Walz kosten auch gerne mal 100.000 Euro. Ein Unfallschaden bedeutet bei solchen Schätzchen entsprechend teuere Reparaturen. Kein Wunder, dass für die Versicherer jedes Argument recht ist, um die Kosten zu drücken. „25.000 für eine alte Maschine, wo doch nicht einmal eine neue so viel kostet?“ Gegen solche Argumente kann man ohne Expertenhilfe schlecht ankämpfen. Es gibt sehr wenige Sachverständige, die sich mit der Bewertung von Harleys auskennen. Die Situation ist ähnlich wie bei den PKW-Oldtimern: Die wenigen erfahrenen Sachverständigen sind nicht wirklich neutral, weil sie auch mit den Versicherungen zusammenarbeiten.


Eine Harley ist Expertensache, auch beim Schaden



Die größte Schwierigkeit bei der Schadensaufnahme ist die Identifizierung des Fahrzeugtyps und die Feststellung des objektiven Marktwerts. Erschwert wird dies dadurch, dass viele Halter völlig überzogene Vorstellungen über den Wert ihres Motorrads haben. Ein Experte muss erkennen können, ob der Motor mit dem Rahmen typmäßig übereinstimmt oder aus einer späteren Serie stammt, und ob er ein Harley-Original, ein Fremdprodukt wie S&S oder Edelbrock ist. Und wenn eine Harley komplett aus Zubehörteilen zusammengebaut wurde, ist ein unerfahrener Sachverständiger schlicht überfordert mit der Typerkennung.

Eine „D-Day-Harley“ erkennt man am Buchstaben „A“ in der Motornummer. Ihre Besonderheit: Die Bestandteile gelangten bei der Invasion der Allierten während der Operationen Husky and Overlord nach Europa, wurden dort zusammengebaut und anschließend mit der Hand lackiert. Diese Maschinen sind zwar wunderschön, aber mit der Serie kann man sie nicht vergleichen. Die Arbeit, die manch ein Bastler in seine Maschine steckt, garantiert zwar viel Spaß und ist ein wunderbares Erfolgserlebnis. Dies alles ist jedoch keine zuverlässige Grundlage für den Marktwert.


Fazit der Unfallzeitung

Wir sehen Handlungsbedarf in diesem Bereich. Kompetente unabhängige Sachverständige sind gefragt, die ihre Erfahrung zur Verfügung stellen, damit auf dem Sachverständigenmarkt kein Ungleichgewicht zugunsten der freien Versicherungsgutachtern entsteht. Die Unfallzeitung freut sich, wenn Sachverständige, die sich mit der Materie gut auskennen oder ihr Wissen erweitern wollen, bei der Redaktion melden. Harley-Besitzer, die nach einem Unfall Sachverständiger-Unterstützung brauchen, sollten sich an den Verband der unabhängigen Sachverständigen (VKS e.V.) wenden, der ihnen einen Experten in ihrer Nähe empfehlen kann.

Wir waren zu Besuch bei Harley-Davidson & Buell in Kassel. Herr Diplom-Ingenieur Arno Werkmeister sagte von sich, ich weiß alles über Harley-Davidson. Ich glaube wenigen, aber ihm glaube ich.

Fotos: Unfallzeitung.de

Von RobGal am 27. Mai 2010, 21:44 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 01. Juni 2010, 19:33 Uhr
Themen: Motorrad | Reparatur | Sachverständige | Versicherung



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