Hohe Unfallgefahr insbesondere auf Landstraßen
ADAC fordert gezielte Information der Bürger über unfallträchtige Strecken
Auf welchen unserer Straßen gibt es die meisten Unfalltoten? Na dort, wo „gerast“ wird, werden viele spontan antworten: auf den Autobahnen natürlich! Doch genau das Gegenteil ist richtig. Denn auf den Autobahnen ist der Anteil der Unfälle mit Personenschäden mit 5,9 Prozent ebenso unterdurchschnittlich wie der Anteil der tödlich Verunglückten mit 11,4 Prozent. Und das, obwohl die Autobahnen etwa ein Drittel des gesamten Verkehrs bewältigen. Mit fast zwei Dritteln den Löwenanteil der Verkehrstoten zählt man dagegen auf den Landstraßen. Und selbst innerorts, wo Tempolimits zwischen 50 und 30 herrschen, werden mehr Todesopfer gezählt als auf den mit vergleichsweise hohem Tempo befahrenen Autobahnen.
Autobahnen die sichersten Straßen
Die sind nach der Statistik eindeutig die sichersten Straßen im Lande. Und wer dort schnell fährt, geht damit kein unkalkulierbar erhöhtes Risiko ein, denn Autobahnen sind schließlich Schnellstraßen. Das heißt konkret, dass sie für schnelles Fahren gebaut und ausgelegt sind. Das gilt auch für die Fälle, in denen Verkehrsteilnehmer auf diesen Strecken einmal Fehler machen. Denn eine Fülle von speziellen Sicherheitseinrichtungen sorgt dafür, dass die Folgen von Unfällen auf Autobahnen trotz der hohen dort gefahrenen Geschwindigkeiten möglichst beherrschbar bleiben – mit überzeugendem Erfolg, selbst wenn es hin und wieder zu spektakulären Unfallereignissen kommt.
Regelmäßige Sicherheitsanalysen
Autobahnen gehören zudem zu den Straßen, deren Sicherheit regelmäßig überprüft wird – von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) nämlich. Die erstellt auf der Basis der von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV) entwickelten „Empfehlungen für die Sicherheitsanalyse von Straßennetzen (ESN)“ für das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ausführliche Sicherheitsanalysen der Autobahnen, deren Ziel es ist, Sicherheitsdefizite im Autobahnnetz zu erkennen, damit die mit geeigneten Maßnahmen beseitigt werden können.
Oft nicht der Fahrer sondern die Straße schuld
Solche Sicherheitsanalysen sind grundsätzlich auch für das sehr viel längere Netz der deutschen Landstraßen erforderlich. Das umso mehr, als die Vielzahl der schweren Landstraßenunfälle immer wieder zeigt, dass viele davon nicht allein durch Fahrfehler der Landstraßenbenutzer verursacht werden, sondern auch und gerade deswegen passieren, weil die Straßengestaltung geradezu zu Fehlern einlädt und es oft an elementaren Sicherheitseinrichtungen mangelt. Das ist umso bedenklicher, weil sich an vielen Unfallschwerpunkten mit relativ einfachen Mitteln und ohne große Kosten die Sicherheit schnell und wirksam verbessern ließe, wenn es denn die nötigen Sicherheitsanalysen als Grundlage für gezieltes Handeln gäbe.
Seit zehn Jahren ADAC-Straßentest
Mit seinem seit einem Jahrzehnt auf Tausenden Kilometern deutscher Landstraßen vorgenommenen ADAC-Straßentests ermittelt der Automobilclub inzwischen im Rahmen des von der EU-Kommission geförderten europäischen Straßentests EuroRAP (European Road Assessment Programme) die Sicherheitsstandards auf deutschen Straßen und identifiziert damit konkret besonders risikoreiche Straßenabschnitte und Unfallschwerpunkte. In der amtlichen Verkehrsunfallstatistik sind die allerdings nicht erkennbar. Denn die dort veröffentlichten Daten zum Unfallgeschehen nennen zwar die verschiedenen Straßenkategorien, erlauben aber nicht die Unfälle konkreten Streckenabschnitten zuzuordnen.
Gefährliche Strecken gezielt benennen
Deshalb forderte der Automobilclub anlässlich des diesjährigen Tages der Verkehrssicherheit am 18. Juli die Bundesländer und deren Verkehrsbehörden auf, die ihnen vorliegenden Daten zur Sicherheit und zum Unfallgeschehen, die sich eindeutig einzelnen Streckenabschnitten zuweisen lassen, der Öffentlichkeit auch zugänglich zu machen. Dann nämlich könnten die Bürger, denen das Recht auf solche Informationen zustehe, detailliert über dass Sicherheitsniveau ihrer Straßen informiert und gezielt auf gefährliche Streckenabschnitte und Unfallschwerpunkte hingewiesen und wirksam gewarnt werden und die Unfallzahlen spürbar gesenkt werden.
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Foto: ACE
Von Ivd/UnZe am 20. Juni 2011, 17:42 Uhr veröffentlicht
Themen: Sicherheit | Straßennetz | Unfall
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