Lebensrettender Weckruf für Ford-Fahrer
Müdigkeitswarner für Focus, Mondeo, S-Max und Galaxy
Schlaf kann tödlich sein. Dann nämlich, wenn er uns am Steuer eines Autos überrascht. Und das passiert nicht nur hin uns wieder, sondern leider so oft, dass einer von fünf schweren Autobahnunfällen in Europa auf Übermüdung zurückzuführen ist. Doch so schwer die Folgen von Übermüdung am Steuer wiegen, so einfach ist das wirksamste Gegenmittel: rechtzeitig Pause machen. Aber diese so einfache Lösung scheitert meist daran, Dass Autofahrer die Signale, die auf Übermüdung hinweisen, nicht wahrnehmen oder auch nicht ernst nehmen und weiter fahren, selbst wenn ihnen immer wieder die Augen zufallen. Das macht Einschlaf- oder Müdigkeitswarner zu einem echten Lebensretter, wie sie nun auch von Ford angeboten werden.
Frontkamera in Höhe des Rückspiegels
Eingeführt wurde dieses so wegweisende neue Assistenzsystem mit dem neuen Ford Focus, der im April 2011 auf den Markt gekommen ist. Außerdem ist es von sofort an auch für Mondeo, S-Max und Galaxy verfügbar. Entscheidender Baustein für den Müdigkeitswarner (Driver Alert) ist eine als Wunschausstattung verfügbare Frontkamera, die in Höhe des Rückspiegels hinter der Windschutzscheibe installiert ist. Die von ihr permanent aufgenommenen Bilder werden an einen leistungsfähigen Bordrechner weitergeleitet, dessen Software daraus die Informationen für fünf fortschrittliche Fahrer-Assistenzsysteme errechnet, die für mehr Sicherheit sorgen.
Fahrbahnmarkierungen werden gescannt
Gleich drei dieser Systeme basieren auf den von der Frontkamera gescannten Fahrbahnmarkierungen. So wird der Fahrspur-Assistent aktiv, sobald der Bordrechner aus den Bildern der Fahrbahnmarkierungen errechnet, dass das Fahrzeug ungewollt, also ohne Lenkbewegungen für einen Spurwechsel und ohne Blinkerbetätigung, seine Fahrspur verlässt. Den Fahrer informiert es darüber durch Vibrationen im Lenkradkranz. Mit aktivem sanftem Gegensteuern gegen ungewolltes Verlassen der Fahrspur reagiert der Fahrspurhalte-Assistent, der dafür die elektrische Servolenkung ansteuert.
Typische Lenkfehler und Korrekturen
Die Ergebnisse der Fahrspur-Kontrolle aktivieren schließlich auch den Müdigkeitswarner. Denn wenn Fahrzeuglenker schläfrig werden, kommen sie öfter ein wenig von der Fahrspur ab und reagieren mit abrupten Lenkradbewegungen, sobald sie das bemerken. Dieses Abweichen von der Fahrspur in Verbindung mit den abrupten Gegenlenkmanövern wird von der Software des Müdigkeitwarners erkannt und durch den Vergleich mit normalem Fahrverhalten als Hinweis auf abnehmende Aufmerksamkeit wegen zunehmender Müdigkeit bewertet. Deshalb warnt das System in einer ersten Stufe für zehn Sekunden durch eine gelbe Anzeige im Instrumentenbrett mit dem Hinweis: „Warnung – Fahrer müde – Rast empfohlen“.
„Fahrer müde – bitte Rast“
Nun ist es am Fahrer, angemessen reagieren. Setzt er trotz der Warnung die Fahrt fort und erkennt das System, dass er weiterhin unaufmerksam fährt und es immer wieder zu kleinen Spurabweichungen kommt, die abrupt korrigiert werden, dann tritt die zweite Warnstufe in Kraft. Diesmal ist der Hinweis „Warnung - Fahrer müde – Bitte Rast“ rot unterlegt und dauert länger. Zudem wird die Warnanzeige in beiden Fällen durch ein akustisches Signal unterstützt. Dann ist es wirklich höchste Zeit für eine Fahrtunterbrechung oder einen Fahrerwechsel, falls ein Beifahrer an Bord ist.
Müder Fahrer kann Spur nicht halten
Mit seinem jetzt eingeführten Müdigkeitswarner setzt Ford ebenso auf Unregelmäßigkeiten bei den Lenkbewegungen zum Erkennen von Ermüdung am Steuer, wie das Mercedes-Benz bei seinem Ende 2008 eingeführten und inzwischen mehrfach ausgezeichneten „Attention Assist“ tut. Denn im Unterschied zu einem wachen Fahrer kann ein müder die Spur nicht präzise halten. Er macht viele kleine Lenkfehler, die in einer ganz typischen Art korrigiert werden. Während Mercedes-Benz zum Erkennen dieser Lenkfehler einen hochpräzisen Lenkwinkelsensor einsetzt, identifiziert Ford diese allerdings mit Hilfe der Bilder der Fahrbahnmarkierungen. Diese Methode könnte problematisch werden, wenn witterungsbedingt diese Markierungen nicht klar erkennbar sind, und muss versagen, wenn auf unmarkierten Fahrbahnen gefahren wird.
Auch Verkehrsschilder werden erkannt
Neben den Fahrbahnmarkierungen erfasst die Frontkamera im neuen Ford Focus auch die beiderseits der Straße aufgestellten Verkehrszeichen. Die aktuelle Software des Assistenzsystems „Verkehrsschild-Erkennung“ ist darauf programmiert, sowohl Tempolimits als auch Überholverbote zu erkennen und dem Fahrer auf seinem zentralen Display anzuzeigen. Und auf Wunsch lässt sich die Anzeige so programmieren, dass beim Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit um einen vorher eingestellten Wert sogar eine Warnung erfolgt.
Fernlicht-Assistent
Schließlich kann die Frontkamera auch die Lichtverhältnisse vor dem Fahrzeug erfassen. Und damit liefern ihre Bilder auch die Informationen für ein fünftes Assistenzsystem – den Fernlicht-Assistenten. Der wechselt automatisch von Fern- auf Abblendlicht und umgekehrt und sorgt so für optimale Sichtverhältnisse, ohne dass der Fahrer durch das manuelle Betätigen des Lichtschalters vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird. Und wenn die Um-feldbeleuchtung auf eine geschlossene Ortschaft schließen lässt, dann verzichtet der Fernlicht-Assistent auf die automatische Aktivierung des Fernlichts.
Fazit der UnfallZeitung:
Die neue Frontkamera von Ford sorgt damit, dass sie Informationen für gleich fünf Assistenzsysteme liefert, für einen begrüßenswerten Sicherheitsgewinn. Mit der Müdigkeitserkennung auf der Basis von typischen Lenkfehlern, die in typischer Weise korrigiert werden, setzt Ford wie schon Mercedes-Benz und auch Volvo auf ein Fahrerverhalten, das nach heutigen Erkenntnisstand am einfachsten und am zuverlässigsten Ermüdung erkennen lässt. Angesichts des vergleichweise geringen Aufwands für sein System sollte Ford allerdings überlegen, es möglichst bald statt als Option als Serienausstattung anzubieten. Und wenn schon vorhanden, dann sollte es auf keinen Fall abschaltbar sein, so dass ein übermüdeter Fahrer sich nicht damit herausreden kann, er habe von seiner Müdigkeit am Steuer nicht gewusst.
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Weitere Beiträge zu diesem Thema:
Wenn Schlafen tödlich ist vom 21. Dezember 2008 (Bitte als Link ausführen)
Fotos:
Ford-Pressefotos
dpp/auto-reporter-net
Von Ivd/UnZe am 09. Juni 2011, 19:53 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 10. Juni 2011, 22:25 Uhr
Themen: Hersteller | Sicherheit
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