LKW sind besser als ihr Ruf
Gute und schlechte Nachrichten zur LKW-Sicherheit
Lkw-Unfälle sind meist besonders spektakulär – schon wegen der Größe der beteiligten Fahrzeuge. Und die großflächigen Unfallstellen führen of genug zu stundenlangen Blockaden ganzer Autobahnen.
Da ist es eine gute Nachricht, wenn der soeben vorgestellte Dekra-Verkehrssicherheitsreport LKW 2009 zu dem Ergebnis kommt, dass Lkw-Unfälle bezogen auf die gefahrenen Kilometer in Deutschland seit 1970 um 70 Prozent abgenommen haben und die Zahl der bei solchen Unfällen schwer verletzten und getöteten Verkehrsteilnehmer allein zwischen 1992 und 2007 um 40 Prozent gesunken ist. In konkreten Zahlen bedeutet das 1095 Todesopfer und 8476 Schwerverletzte bei Lkw-Unfällen im Jahr 2007.
Die schlechte Nachricht aus demselben Report: Die Zahlen der Unfälle und Unfallopfer könnten noch erheblich niedriger sein, wenn die heute bereits verfügbaren Fahrerassistenzsysteme für schwere Lkw auch konsequent genutzt würden. Doch tatsächlich geordert werden solche Systeme derzeit nur bei gerade einmal fünf Prozent aller neuen Lkw – damit fahren 95 Prozent der neuesten Lkw ohne diese längst verfügbaren Sicherheitssysteme wie Fahrdynamikregelung, abstandsgeregelter Tempomat, elektronische Spurkontrolle oder Abbiegeassistent.
Zwar schreibt die Europäische Kommission ab 2011 zum Erlangen der Typgenehmigung für neue Lkw die Fahrdynamikregelung ESP vor und ab 2012 bekommen neu entwickelte Lkw ein elektronisches Notbremssystem und einen Spurhalteassistenten. Doch die Jahre bis zum Greifen dieser Regelungen sollten umgehend durch spezielle Investitionsanreize und finanzielle Förderungen wie Rabatte bei den Versicherungsprämien und Vergünstigungen bei der Maut für Lkw mit guter Sicherheitsausstattung überbrückt werden.
Die zweite schlechte Nachricht aus dem Report: noch immer schnallt sich nach aktuellen Verkehrsbeobachtungen der Dekra-Unfallforschung nur etwa die Hälfte aller Fahrer von Lkw über 7,5 Tonnen auf Autobahnen an. Auf Bundesstraßen ist die Anschnallquote noch geringer und im innerörtlichen Bereich schnallt sich sogar nur noch jeder vierte Fahrer an. So tragen viele Lkw-Fahrer bei Unfällen schwere oder sogar tödliche Verletzungen davon, weil sie ohne Gurt fahren.
Das ist eine bittere Bestätigung dafür, dass menschliches Versagen und menschliche Unzulänglichkeit ein entscheidender Faktor im Unfallgeschehen sind. Vor diesem Hintergrund ist es positiv zu werten, dass Lkw-Fahrer in der EU vom 10. September 2009 an neben dem Führerschein besondere tätigkeitsbezogene Fähigkeiten und Kenntnisse nachweisen müssen - durch eine Grundqualifikation und zusätzlich durch regelmäßige Weiterbildung. Damit ist die Berufskraftfahrerqualifikation in allen EU-Mitgliedsstaaten künftig einheitlich geregelt (EU-Rahmenrichtlinie 2003/59/EG).
Noch eine gute Nachricht aus dem Report zum Schluss. Nur zu etwa mehr als fünf Prozent sind technische Fahrzeugmängel für Unfälle von schweren Lkw verantwortlich. Die niedrige Rate ist zweifelsohne auch ein Ergebnis der periodischen Fahrzeugüberwachung von Sachverständigenorganisationen wie Dekra und anderen Dienstleistern.
Verkehrssicherheitsreport LKW 2009 zum Herunterladen
Ingo von Dahlern/UnZe
Fotos: DVR, Hans-Peter Reichartz - Fotolia.com
Von Ivd/UnZe am 20. Mai 2009, 09:26 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 18. November 2009, 16:42 Uhr
Themen: Nutzfahrzeuge | Sicherheit | Technik
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