Mit dem Leben davongekommen
Jährlich 65 Tausend Schwerverletzte nach Verkehrsunfall
Die Aufmerksamkeit der Medien versiegt, wenn das Unfallopfer stirbt oder ins Krankenhaus eingeliefert wird. Das Leben geht weiter für die, die am Leben bleiben. Nie mehr wird es aber so sein wie früher. Der Unfall und seine Folgen bleiben bestimmend für das Schicksal schwer verletzter Opfer und ihrer Angehörigen.
Es war im Jahr 2002. Der 13-jährige Gavin Kulla machte Ferien mit seiner Familie auf einem Campingplatz bei Stuckenbrock. Er wollte mit dem Rad zum nahe gelegenen Safaripark. Den Fahrradhelm nahm er nicht mit, er stört nur im Park, dachte er. Auf dem Weg dorthin wurde er auf der Bundesstraße von einem viel zu schnell fahrenden PKW erfasst, sein Kopf wurde dabei gegen den Dachrahmen des Autos geschleudert. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn in ein nahe gelegenes Krankenhaus.
Wie üblich bei einem Gehirntrauma, schwoll sein Hirn innerhalb des knöchernen Schädels rasch an. Seine Eltern wurden vor die Wahl gestellt: Entweder den Tod abwarten oder die Schädeldecke vorläufig entfernen, um Platz für die Schwellung zu schaffen. Der Grad der Schwellung und der zu erwartenden Schädigung ist zu diesem Zeitpunkt üblicherweise noch nicht absehbar. Aber auch wenn sie absehbar wären: Können Eltern anders als für das Leben ihres Kindes entscheiden? Gavin hat überlebt. Die physischen und psychischen Folgen seines Schädel-Hirn-Traumas sind schwerwiegend, er ist auf ständige Betreuung und Versorgung angewiesen. Die Ehe zwischen Vater und Mutter ist geschieden, Mutter und Sohn sind auf Hartz IV angewiesen. Sie ist eine Heldin, ohne dies jemals gewollt zu haben.
Unfälle schlagen in Sekundenschnelle und erbarmungslos zu. Ein gut aussehender, erfolgreicher Geschäftsmann steht gebückt hinter seinem Wagen und räumt gerade die Koffer in den Kofferraum. Da fährt jemand von hinten in das stehende Fahrzeug und der Mann verliert beide Beine. Sicher, man kann sich nicht ständig mit solchen Schicksalen beschäftigen, sonst würde man sich nie mehr auf die Straße trauen. Aber allzu tief sollten sie nicht verdrängt werden. Sie sollten uns soweit bewusst sein, dass wir jederzeit bereit sind, einen Schritt im Voraus zu denken – um es nicht darauf ankommen zu lassen.
Die Unfallzeitung möchte dazu beitragen. Unsere in Kürze startende lose Folge von Artikeln über Verkehrsrecht wird sich zuerst dem Personenschaden widmen.
Unfallakte.de Film ca. 4 Jahre nach dem Unfall
ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Von RobGal am 10. Juli 2011, 17:15 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 13. Juli 2011, 13:14 Uhr
Themen: Kinder | Unfall
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