Nägel mit Köpfen bitte!
LKW-Winterreifenpflicht: halbe Lösung ist keine Option
Der schneereiche Winter sorgt wieder einmal für Diskussionsstoff, über den debattiert und gejammert werden kann, bis der Schnee schmilzt und der Frühling kommt. Zur Zeit wird die LKW-Winterreifenpflicht abendfüllend hin- und hergewälzt, ohne dass daraus eine stimmige und notwendige Entscheidung hervorgeht. Damit es einem nicht langweilig wird, sorgt der Mangel an Streusalz für die Straßen und fehlendes Enteisungsmittel für die Flughäfen für Abwechslung.
Die Zuständigen scheinen vom Winter jedes Jahr aufs Neue überrascht zu werden. Es ist als wüssten sie nicht, dass diese Jahreszeit in Mitteleuropa nun mal Schnee mit sich bringt, manchmal in ungeahnten Mengen. Es müssen schlimme LKW-Unfälle passieren und Staus den letzten Nerv aller Beteiligten rauben, damit Politiker aus dem Winterschlaf erwachen und merken, dass Handlungsbedarf besteht: Die Beschränkung der Winterreifenpflicht auf die angetriebene Achse ist keine Lösung.
Und schon geht das große Jammern los. Es jammern die Spediteure, dass sie sich keine zusätzlichen Winterreifen leisten können. Der ADAC stellt sich auf die Seite derer, die sich die Investition ersparen wollen und argumentiert gegen die umfassende Winterreifenpflicht. Ein LKW halte sich besser in der Spur, schon alleine wegen seines Gewichts, lässt der Club verlauten.
Grau ist die Theorie mit dem Gewicht, grausam die Wirklichkeit auf den Straßen. Und so kommt es, dass wenn LKW nicht weiterkommen, die Straßen einfach blockiert sind. Da kann das Technische Hilfswerk auch nicht viel tun, außer dass es angeblich Zahnpasta für blockierte Autofahrer bereit hält. So bleibt wenigstens die Kariesvorsorge nicht auf der Strecke, wenn die Autofahrer es schon tun müssen. Wesentlich zugkräftiger halte ich das Argument mit dem Bremsweg. Umfassend winterbereifte PKW haben einen verkürzten Bremsweg. Wenn dann ein teilbereifter LKW mit seinen 40 Tonnen daherkommt und ebenfalls bremst, kann sich jeder an den Fingern einer Hand leicht ausrechnen, was dem PKW blühen kann.
In diesem Winter ist das Kind nun mal in den verschneiten und vereisten Brunnen gefallen. Wie und von wem wird unser Verkehrsminister beraten, frage ich mich? Wie kommt es bloß, dass die PKW-Winterreifenpflicht im Nu durchgedrückt werden konnte, aber dasselbe Thema bei den LKW zum Jammerthema verkommt, ohne dass etwas passiert? Gleich was es kostet: Wenn PKW rundum winterbereift sind, muss dasselbe auch für LKW gelten. Rutschfeste Winterstiefel kauft man schließlich auch nicht nur für den einen Fuß, oder?
Roberto Galifi
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Von RobGal am 22. Dezember 2010, 18:28 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 25. Dezember 2010, 23:12 Uhr
Themen: Politik | Sicherheit | Winter
Kommentare
Geschrieben von Bruno Reimöller am 27. Dezember 2010, 17:49 Uhr:
Geschrieben von Klaus Kannenberg am 30. Dezember 2010, 18:25 Uhr:
Fahren mit Sommerreifen bei Schnee und Eisglätte bedeutet eine erhöhte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Der Brummi-Fahrer als der vorbildliche Verkehrsteilnehmer will sich doch nicht mit schlechtem Beispiel auszeichnen, oder?
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