Nur sehr bedingt brauchbar
Studie zu Versicherungsvergleichsportalen im Internet
Bei den Kosten für das Auto ist die Kraftfahrzeugversicherung in aller Regel ein erheblicher Kostenfaktor. Das macht Internetportale, die Kostenvergleiche für Kfz-Versicherungstarife anbieten, ausgesprochen attraktiv. Doch können solche Vergleichsportale wie „Check24“, „Finance Scout24“, „Geld.de“, „ino24.de“ oder „Aspect.online“, „TopTarif“ und „FSS online“ auch die Erwartungen erfüllen, die in sie gesetzt werden. Findet man auf diesem Weg wirklich schnell und zuverlässig die kostengünstigste Versicherung, bieten die preiswerten Versicherungen auch ein zufriedenstellendes Leistungsspektrum und ist das alles für die Nutzer solcher Vergleichsportale auch ausreichend transparent? Die im Auftrag des Goslar-Instituts vom Institut für Versicherungswissenschaften in Leipzig erstellte Studie „Internetvergleichsportale – Empirische Studie zur Transparenz und den Geschäftsmodellen“ lässt erhebliche Zweifel aufkommen.
Keines immer das günstigste
So wurden die Portale daraufhin untersucht, inwieweit sie für 15 Musterkunden in der Lage waren, das preislich günstigste Angebot zu finden. Dabei zeigte sich, dass zwei der Portale besonders viele günstige Angebote anboten, während die übrigen seltener das günstigste Portal waren. Aber jedes Portal erwies sich als mindestens einmal genau so günstig wie alle anderen Portale oder sogar als günstiger als alle anderen Portale. Das aber heißt konkret, dass kein Vergleichsportal existiert, das für alle Musterkunden immer das günstigste ist, soweit es um den Preis geht. Und bei dem ergab sich für alle Musterkunden ein durchschnittlicher prozentualer Unterschied von 18,9 Prozent.
Wie weit werden Kundenwünsche berücksichtigt
In einem weiteren Schritt wurde untersucht, inwieweit die Vergleichsportale bei den günstigsten Tarifen bestimmte Kundenwünsche berücksichtigen. Dazu gehörten der so genannte Selbstbehalt in der Teil- und Vollkaskoversicherung, die Deckungssumme in der Kfz-Haftpflichtversicherung, der Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit, die Werkstattbindung, der Zusammenstoß mit Tieren aller Art, ein Rabattretter, die so genannte „Mallorca-Police“, die erweiterte Neuwertentschädigung und der Schutzbrief.
Kein Portal trifft zu 100 Prozent
Bei einem der Portale war überhaupt nicht überprüfbar, ob derartige Wünsche erfüllt wurden. Beim Rest zeigte sich, dass viele Portale Tarife anboten, bei denen zum Beispiel der Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit , die erweiterte Neuwertschädigung, oder der Zusammenstoß mit Tieren mitversichert waren, obwohl der Kunde dies nicht ausdrücklich gewünscht hatte. Andererseits blieb der ausdrückliche Kundenwunsch zum Beispiel nach dem Rabattretter in zahlreichen Angeboten unberücksichtigt. Daraus ergibt sich konkret, dass keines der Vergleichsportale in der Lage ist, die Kundenwünsche zu 100 Prozent zu treffen.
Viele Wünsche werden nicht abgefragt
Untersucht wurde schließlich auch, welche Leistungsmerkmale von den verschiedenen Portalen überhaupt abgefragt werden, wenn Musterkunden ihre Wünsche eingeben. Das Auswertungsergebnis zeigt klar, dass zum Beispiel bei zwei Portalen nur sehr beschränkt die Möglichkeit besteht, Sonderwünsche überhaupt einzugeben und auch die übrigen nicht alle Sonderwünsche bei der Eingabe abfragen. Allerdings ist auch ersichtlich, dass die Güte eines Portals weniger von der Zahl abgefragten Tarifmerkmale abhängt, als davon, dass bei der Eingabe die „richtigen“ Fragen gestellt werden
Nicht die nötige Transparenz
Mit Blick auf die jeweiligen Durchschnittspreise zeigt sich schließlich, dass bei den Portalen mit den günstigsten Preisen Kundenwünsche öfter nicht erfüllt werden. Die Portale, die Kundenwünsche stärker berücksichtigen, gehören dagegen ehr zu den teureren Portalen im Preisvergleich. Fazit aus all dem: auch wenn sich alle Vergleichsportale ausnahmslos als seriös erwiesen, zeigte sich sehr klar, dass keines davon in der Lage ist, wirklich die günstigsten Tarife zu nennen und zudem keines in der Lage ist, die von einem Tarifvergleich eigentlich erwartete Transparenz bei den einzelnen Tarifmerkmalen zu schaffen.
Fünf Portalbetreiber sind Versicherungsmakler
So kommt man um eine ausführliche Beratung kaum herum. Aber darum dürfte es den meisten Portalbetreibern letztlich auch gehen. Denn schließlich sind fünf der sieben untersuchten Betreiber Versicherungsmakler, was sie übrigens auch ausweisen. Und damit wird jeder Besucher im Vergleichsportal zu einem potenziellen Kunden, sobald er erkennt, dass er allein mit dem Online-Versicherungsvergleich nicht zum erhofften Ergebnis kommt.
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Foto:© Torbz - Fotolia.com
Von Ivd/UnZe am 01. August 2011, 12:26 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 01. August 2011, 13:00 Uhr
Themen: Tests | Versicherung
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