Schwarze Schafe - oder nur angeschwärzt?
Schwarzweißmalerei über Reparaturwerkstätten
Schwarze Schafe der Kfz-Reparatur-Branche würden Konsumenten zu neuen Ersatzteilen und Reparaturen raten, die nicht notwendig seien, so das Fazit einer aktuellen ARD-Sendung. Ist da was dran oder wird hier eine ganze Branche etwas leichtfertig durch den Kakao gezogen?
Durch „unnötige Reparaturen“ seien die Konsumenten häufig „reingelegt“, behauptete die ARD-Sendung „Auto und Verkehr“ am 18. Juni. Die Reparaturvorschläge sind viel zu oft Abzocke und dienen nur der eigenen Gewinnoptimierung, Konsumenten sollen also auf der Hut sein, so das Fazit der Sendung. Ist der Vorwurf berechtigt, waren die dargestellten Fälle wirklich eindeutig? Ich als Sachverständiger habe da so meine Zweifel, die ich mit unseren Lesern teilen möchte.
Fall 1: Der Zahnriemen
Noch bevor das Auto überhaupt angesehen wird, rät der Annahmemeister zum Austausch des Zahnriemens vor der Urlaubsfahrt. Den Einwand des Besitzers, man müsse doch wohl erst den Zustand prüfen, lässt er nicht gelten. Seine Antwort ist zwar etwas forsch („Da muss nichts angesehen werden“), in der Sache hat er jedoch recht. Der Zahnriemen unterliegt einem materialbedingten Alterungsprozess, so dass er nach einer gewissen Laufleistung vorbeugend ausgetauscht werden sollte – und nicht erst dann, wenn der Verfall schon mit freiem Auge erkennbar ist, wie der zur Kontrolle herangezogene ADAC-Prüfer meinte. 500 Euro ist sicherlich kein Pappenstiel, aber immer noch besser als wenn der Motor seine Dienste auf der Rückfahrt vom Urlaub verweigert. Dem Meister wären höchstens etwas höflichere Umgangsformen nahezulegen, die Situation selbst schätzte er jedoch richtig ein.
Fall 2: Die Bremse
Nach Meinung des Werkstattmeisters sind die Bremsscheiben am Fahrzeug abgenutzt und müssen ausgetauscht werden. Der zur Kontrolle herangezogene ADAC-Sachverständige sieht zwar erste Verschleißspuren an den Bremsscheiben, meint jedoch, dass die gemessenen Werte gut sind und kein Austausch nötig ist. Das mag für den momentanen Zustand gelten. Ausschlaggebend jedoch ist nicht dieser Zustand, sondern wie lange er noch anhalten kann. Dies hängt von der Art und Häufigkeit der Verwendung des Fahrzeugs ab. Fährt der Besitzer oder die Besitzerin vormittags zum Supermarkt um die Ecke zum Einkaufen oder wird das Auto im täglichen Stoßverkehr intensiv eingesetzt? Es ist die Aufgabe des Werkstattmeisters, unter Berücksichtigung der tatsächlich stattfindenden durchschnittlichen Abnutzung einen fundierten Rat zu geben.
Fazit der Unfallzeitung
Medien haben Macht. Die suggestive Kraft von derartigen Berichten ist nicht zu unterschätzen. Gängster und Halsabschneider gibt es in jeder Branche, keine Frage. Aber leichtfertig abgegebene Negativurteile werden von den Konsumenten gerne verallgemeinert. Das nützt keinem der Beteiligten und erst recht nicht der Verkehrssicherheit, deren erstes Gebot die gewissenhafte Instandhaltung der Kraftfahrzeuge sein sollte. Differenziertere Beiträge wären da zweckdienlicher!
Text: Roberto Galifi
Foto:© ULoose - Fotolia.com
Von RobGal am 10. Juli 2011, 17:44 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 11. Juli 2011, 10:38 Uhr
Themen: Reparatur | Werkstatt
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