Sprüche, die es in sich haben ...

... wenn jemand auf der Straße stirbt

Wenn es darum geht, rationale Erklärungen für tödliche Unfälle zu finden, sind Sprüche und Weisheiten schnell zur Hand. Manches davon trifft zu, manches hingegen ist schlichtweg falsch. Das haben mir meine Erfahrungen im Bergungsdienst beigebracht.

„Wer die Gefahr sucht, kommt darin um“

Ob auf zwei oder vier Rädern, ob Motorrad oder Auto - ich war früher vernarrt in alles, was einen Motor hatte und gefahren werden konnte. Zugegeben: gewisse Grenzbereiche des schnellen Fahrens sind mir heute noch vertraut. Später, als es mir auf ebener Erde zu langweilig wurde, verlegte ich meine Fahrleidenschaft in die Lüfte und stieg aufs Fliegen um. Es war gigantisch, sich dem Medium Natur und der Technik zu stellen. Die ständige Bereitschaft, das permanente Scannen der Instrumente, sowie die Abwicklung des anfallenden Funkverkehrs, verschafften mir das Gefühl der totalen Freiheit. Es war eben anders als auf der Straße. Gefährliche Situationen und teilweise merkwürdige Erlebnisse gab es viele, trotzdem bin ich beim Fliegen immer heil gelandet.

Andere hatten weniger Glück.

Manche suchen die Gefahr bewusst, manche geraten aus Unachtsamkeit in gefährliche Situationen. Ich ließ mich durch eine entspannte Unterhaltung im Cockpit ablenken und merkte nicht, dass ich kurz davor war, unberechtigt in die Hamburger Kontrollzone einzufliegen. Bei starkem Seitenwind kam ich 20 Meilen von meiner Flugstrecke ab, weil ich unaufmerksam geworden bin.

„Es ist die natürliche Auslese“- oder doch nicht?

Unter uns Freunden, die wir durch das Motorradfahren und Fliegen verbunden waren, gab es viele Gespräche über die Gefahr, über Unfälle und den Tod. Da konnte man oft hören: „Was willst du, es ist doch nichts anderes als natürliche Auslese“.

Harte Kerle, oder Kerle, die sich dafür halten, geben ungern zu, dass nicht immer die Schwächeren sterben, und dass die vermeintlich Stärkeren ihren Mut auch nicht unbegrenzt auf die Probe stellen können.

Selbstüberschätzung und fehlendes Gefahrenbewusstsein haben einen hohen Preis, nicht selten ist er das eigene Leben. Meine eigenen Erfahrungen führten mich zum Nachdenken und zur Einsicht: Freiheit bedeutet nicht nur, alles tun zu können, was man gerne tun möchte. Freiheit bedeutet auch, das eigene Leben und das der anderen zu achten. So sehr, dass man es nicht aufs Spiel setzt.

Roberto Galifi
Fotos der Reihenfolge nach
© Mariusz Blach - Fotolia.com
© matteo NATALE - Fotolia.com
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Von RobGal am 30. Oktober 2009, 19:27 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 03. November 2009, 20:05 Uhr
Themen: Motorrad | Sicherheit | Unfall



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