Trendwende? - Weniger Unfälle aber mehr Verkehrstote
Starker Zuwachs bei Motorradfahrern und Jugendlichen
Jahr für Jahr weniger Verkehrstote auf deutschen Straßen – das war der Trend seit 1970. Noch Anfang Juli konnte das Statistische Bundesamt bei der Vorstellung der endgültigen Auswertung des Unfallgeschehens für 2010 berichten, dass die Zahl der von der Polizei aufgenommen Unfalle gegenüber 2009 zwar um 4,2 Prozent gestiegen aber die der Todesopfer um beachtliche 12 Prozent auf 3648 gesunken war. Doch nun plötzlich scheint sich der Trend, der uns 2010 so wenige Verkehrstote bescherte wie seit 60 Jahren nicht mehr, umzukehren. Denn die ersten Zahlen für das erste Halbjahr 2011 zeigen, dass bis Ende Juni schon 1809 Menschen auf unseren Straßen tödlich verunglückten. Das aber bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 141 Personen oder 8,5 Prozent. Und mit 8,1 Prozent fast ebenso hoch war die Zunahme bei den etwa 182 200 Verletzten.
Angesichts solcher Zahlen ist es auch wenig tröstlich, wenn die Statistik zugleich zeigt, dass die bisherige Gesamtzahl der von der Polizei aufgenommenen Unfälle sich mit rund 1,2 Millionen gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent verringerte. Denn zugleich wuchs die Zahl der Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen, um 8,8 Prozent auf 142 900. Die Zahl der Unfälle, bei denen lediglich Sachschaden entstand, verringerte sich um 3,2 Prozent auf 980000. Weniger Unfälle, aber deutlich mehr Verunglückte und Todesopfer lautet deshalb die erste Bilanz für das laufende Jahr.
Sehr unterschiedliche Witterungsbedingungen
Als einen möglichen Grund für diese Entwicklung nennt das Statistische Bundesamt zum Teil sehr unterschiedliche Witterungsbedingungen im Vergleich zum Vorjahr. Denn an dessen Beginn standen extreme Wintermonate. Auf eisglatten Straßen ereignen sich zwar schneller Unfälle, aber da unter solchen Bedingungen weniger schnell gefahren wird, bleibt es häufiger bei Sachschäden. Und neben den niedrigeren Geschwindigkeiten lässt auch die durch das schlechte Wetter geringere Verkehrsteilnahme insbesondere ungeschützter Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer die Zahl der Verkehrstoten sinken.
32 Prozent mehr Opfer bei Motorradfahrern
Für so differenzierte Betrachtungen ist das für das erste Halbjahr verfügbare Datenmaterial allerdings noch nicht fein genug ausgewertet. Aber immerhin lässt sich für die ersten fünf Monate von 2011 sagen, dass vor allem wesentlich mehr Fahrer motorisierter Zweiräder ums Leben kamen. Denn hier wuchs die Zahl der Todesopfer um 32 Prozent. Einen starken Anstieg gab es zudem bei den Todesopfern unter Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren. Denn in den ersten fünf Monaten starben des Jahres starben 20 Jugendliche mehr als im Vorjahr, was einer Zunahme um 63 Prozent entspricht.
Durchweg sinkende Zahlen für den Juni 2011
Wie schwer aus den bislang für 2011 vorliegenden Zahlen allerdings schon jetzt ein Gesamttrend abzulesen ist, zeigt die Statistik für den Juni. Denn in diesem Monat verringerte sich die Zahl der von der Polizei erfassten Unfälle mit 193900 um 1,9 Prozent. Und rund 29900 Unfälle mit Personenschaden bedeuten einen Rückgang um 5,1 Prozent, was die Zahl der Verletzten um 3,8 Prozent auf etwa 37100 sinken ließ. Und auch bei den Todesopfern gab es mit insgesamt 344 einen Rückgang um 12 Personen, was knapp 3,5 Prozent entspricht.
Eine permanente Herausforderung
Fazit: Wohin die Entwicklung in diesem Jahr endgültig geht, kann erst die Gesamtbilanz für 2011 zeigen. Doch die nun vorliegenden Zwischenergebnisse machen wieder einmal deutlich, dass die Verbesserung der Verkehrssicherheit eine permanente Herausforderung bleibt und ein nicht nachlassendes Engagement aller Beteiligten fordert.
Foto:© pe-foto - Fotolia.com
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Von Ivd/UnZe am 23. August 2011, 09:57 Uhr veröffentlicht
Themen: Statistik | Unfall
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