Umweltprämie oder Abwrackprämie
Kaum geht es los, wird schon geschimpft
Kaum läuft die Aktion an, schon geht das Lästern los. Dabei ist die Abwrackprämie eine durch und durch gute Idee. Ein häufig geäußerter Kritikpunkt lautet: aus der Aktion profitieren hauptsächlich ausländische Hersteller, und nicht die heimische Wirtschaft.
Es profitieren genau diejenigen Hersteller, die das liefern können, was gefragt ist: kleinere, sparsamere, und vor allem bezahlbare Autos. Die Abwrackprämie kann nichts dafür, dass unsere Hersteller solche Autos nicht in ausreichender Menge produziert haben. Kritik dieser Art ist destruktiv, sie bringt niemandem etwas.
Wie unser Karikaturist das sieht, sehen Sie in unserem Beitrag.Tatsache ist: die Abwrackprämie hat eine ganze Menge positive Auswirkungen.
Erstens: Der Autohandel boomt. Autohändler können sich kaum vor kaufwilligen Kunden retten, wenn sie genau das anbieten, was die abwrackwillige Kundschaft haben will.
Zweitens: Die riesigen Autohalden voll unverkaufter Neuwagen können endlich abgebaut werden. Nicht nur, dass diese Fahrzeuge auch altern – sie sind auch totes Kapital und damit existenzgefährdend für Autohändler.
Drittens: die neuen Fahrzeuge sind besser, weil sicherer und sparsamer im Verbrauch.
Der Haken an der Sache sind die Lieferzeiten. Es könnte nämlich bald knapp werden im Prämientopf mit den 1,5 Milliarden Euro. Viele Händler schieben Sondersichten, um den Käuferandrang zu bewältigen. Wieso sind dann erst etwa zwanzigtausend Anträge abgewickelt?
Hier klafft eine Lücke, die nicht einkalkuliert wurde. Den Antrag auf die Abwrackprämie kann man nämlich erst dann einreichen, wenn das neue Auto zugelassen wurde. Manche Marken können jedoch erst in 10 Wochen liefern, manche andere noch später oder gar nicht. Die Konsequenz: Es liegen Unmengen noch unerfüllter Verträge bei den Autohändlern. Niemand kann voraussagen, ob der Topf noch genug hergibt, wenn die Käufer ihr Auto geliefert bekommen und endlich zulassen können.
Lieber Herr Steinbrück, die Abwrackprämie war aus meiner Sicht eine hervorragende Idee. Umso ärgerlicher wäre es, wenn die Abwrackprämie Sie wie ein Bumerang treffen würde, kurz vor den Wahlen im Herbst. Denn wer kann jetzt sagen, wie viele Menschen dann nicht mehr in den Genuss der versprochenen Abwrackprämie kommen können? Zusätzlicher Ärger: vielleicht hätte ihnen ihr altes, nun verschrottetes Auto vielleicht noch einen Tausender gebracht, wenn sie nicht auf die Abwrackprämie gesetzt hätten. Das wäre ein doppelter Reinfall für jeden, den es trifft. Die Autohäuser sagen zwar, das relativiere sich durch die zur Zeit bereits langen Lieferzeiten für besonders gefragte Modelle. Das könnte so sein, ist meiner Meinung nach aber ein Blick in die Glaskugel. Ich für meinen Teil hätte lieber Gewissheit für die Verbraucher.
Meine Empfehlung: Die Vertragsabschlüsse sollten auf den Tag genau protokolliert und kontrolliert werden. Die Autohäuser könnten die Verträge sofort nach Abschluss bei der BAFA vorankündigen. Die Übersicht über die Förderung bzw. über deren Restkapazität wäre jederzeit transparent, und die Käufer wüssten, woran sie sind. Rechtzeitiges Eingreifen könnte die Situation retten, auch ein entsprechender Reservetopf könnte eingerichtet werden. Und wenn es mit der Abwrackprämie klappt, dann könnte es auch mit den Wahlen klappen.
Fördermittelübersicht
Von RobGal am 16. Februar 2009, 18:11 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 24. Oktober 2011, 14:17 Uhr
Themen: Humor | Politik
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