Und der Gewinner ist: Die Versicherung

Big Brother auf dem Reparaturmarkt

Manchmal sehen Win-win-Situationen so aus, dass ein Partner doppelt gewinnt und alle anderen leer ausgehen. Dies trifft zu für die Knebelverträge, die viele Autowerkstätten in der Hoffnung abschließen, mehr Aufträge zu bekommen. Diesen Kampf zwischen ungleichen Gegnern können am Ende nur die Versicherungen gewinnen.


Kostenreduktion um jeden Preis

An sich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Unternehmen seine Kosten reduzieren möchte. Es kommt dabei auf die Methode an, und die von den Versicherungen praktiziere Methode heißt: Kostenreduktion auf Kosten der Reparaturwerkstätten und der Versicherten. Geschädigte und Werkstatt werden auf Teufel komm raus aneinander gekettet mit dem Ziel, die eigenen Ausgaben zu senken.


Die Autowerkstätten

Viele von ihnen stehen mit dem Rücken zur Wand. Das Angebot der Schadenslenker lautet: wir geben dir Aufträge, du machst uns gute Preise. Die „guten Preise“ sind in Wahrheit Dumpingpreise, die nur mit lächerlichen Stundenlöhnen erreichbar sind. Nicht einmal an den Ersatzteilen darf die derart geknebelte Werkstatt verdienen, weil sie sich verpflichtet, diese aus einer ihr vorgeschriebenen Quelle zu beziehen.


Die Konsumenten

Geschädigte, für deren Schaden die gegnerische Versicherung zahlt, sind doppelt in die Irre geführt. Wenn die Versicherung ihnen eine bequeme und schnelle Abwicklung verspricht, handelt es sich in Wahrheit nur darum, das Fahrzeug möglichst schnell in eine der Vertragswerkstätten zu lotsen, wo es denkbar günstig und sparsam repariert werden soll. Der Versicherung ist beinahe jedes Mittel recht, um den Geschädigten zu überzeugen, dass er weder einen eigenen Gutachter, noch einen Anwalt braucht und dass der einzig richtige Weg in die von der Versicherung empfohlene Werkstatt führt. Werkstätten, die diese Überzeugungsarbeit von sich aus leisten, bekommen ihr Geld für die ausgeführte Reparatur schneller.

Der Kampf um Kostenreduktion per Werkstattbindung findet auch unter den eigenen Kunden statt. Kunden, die sich bereit erklären, im Falle eines Kaskoschadens den Weg in die Vertragswerkstatt anzutreten, winken günstigere Prämien.


Reparaturmonopol von Big Brother

Wer Werkstatt und Kunden so fleißig miteinander verkuppelt, heißt mal Motorcare oder Innovation Group und mal anders, sie heißen nur nicht „Versicherung“. Die Initiatoren sind die Versicherungen, die es sich leisten können, nicht unter ihrem eigenen Namen zu handeln. Die Zahl der Werkstätten geht durch diese Manipulation drastisch zurück, übrig werden nur die bleiben, die auf ihre Unabhängigkeit verzichten und die schlechten Konditionen überleben. Am Reparaturreich der Versicherungen arbeiten also alle fleißig mit, allen voran die, die geschädigt werden.

Wer das nicht will, sollte aufstehen und laut etwas dagegen sagen – da sind die Spitzen der zuständigen Verbände und unabhängige Berater für Konsumenten und Werkstätten gefragt.

Von RobGal am 03. Mai 2010, 16:22 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 04. Mai 2010, 13:19 Uhr
Themen: Versicherung | Werkstatt



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