Unfälle sind keine Shownummer

Gaffer machen sich strafbar

Sie halten an, sie wollen ganz nahe dran sein, Autowrack, Verletzte oder Tote gierig beäugen, wenn ein Unfall auf der Autobahn passiert. Sie zücken ihre Kameras und die ganz Dreisten stellen die Aufnahmen ins Internet für andere Gaffer. Ist es die Befriedigung, gar die Freude darüber, dass es wen anderen erwischt hat? Oder Sensationsgeilheit, gepaart mit Gedankenlosigkeit? Oder all das zusammen?

Sie halten nicht an, um zu helfen, sie tun es, um ihre Neugierde zu befriedigen, im Zweifelsfall, um sich am Leid anderer Menschen zu ergötzen. Sie hindern die Einsatzkräfte an ihrer Arbeit, wie etwa 2009 bei einem Unfall auf der A1, als das Auto einer schwer verletzten Frau lichterloh brannte. Mehrere LKW-Fahrer hielten an und beobachteten die Szene seelenruhig, ohne die Aufforderung, mit ihrem Feuerlöschgerät am Bord Hilfe zu leisten, zu befolgen.

Laut ADAC nimmt die Zahl nicht nur der Schaulustigen sondern auch die der Behinderungen durch ihre Anwesenheit zu. Für diejenigen, die die Rettungsarbeiten durch ihre Anwesenheit behindern, sind Bußgelder vorgesehen. Mindestens 40, höchstens 5000 Euro müssen Gaffer zahlen, wenn sie im Weg stehen, in krassen Fällen können sie wegen Behinderung von Einsatzkräften verhaftet werden. Wer „nur“ von der Ferne beobachtet und dabei den Pannenstreifen blockiert, zahlt 20 Euro.

Die Abschreckwirkung der Bußgelder hält sich in Grenzen. Der Grund ist sehr einfach: Die Polizisten haben an der Unfallstelle alle Hände voll zu tun, sie müssen die Unfallstelle sichern und absperren und bei Bergung und Erstversorgung der Verletzten helfen. Sie kommen nicht dazu, die drängelnden Schaulustigen konsequent zu bestrafen. Es ist auch fraglich, ob die abschreckende Wirkung von Strafen groß genug wäre. Woran es wirklich mangelt, ist die Fähigkeit zu erkennen: Der Unfall ist keine spannende Szene aus dem Fernsehen, die man bei Popcorn und Bier seelenruhig genießen kann sondern blutigste Realität. Wer dort herumsteht, dabei weder hilft noch aus dem Weg geht, macht sich schuldig.

Helfen ist Pflicht für die, die als Erste die Unfallstelle sehen. Wenn aber Polizei, Feuerwehr und Rettung an Ort und Stelle sind, hilft man am besten, wenn man der eigenen Schaulust widersteht und zügig verschwindet. Wer auf der Gegenspur bremst, gefährdet andere und sich selbst.
Foto: © Archiv Unfallzeitung

Von RobGal am 28. Oktober 2011, 16:08 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 31. Oktober 2011, 14:31 Uhr
Thema: Unfall



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