Urlaubsfahrt Richtung Süden kann teuer werden

Willkür mit Methode auf Österreichs Straßen

Die Kontrolldichte auf den Straßen und Autobahnen ist beträchtlich erhöht worden und deutsche Touristen bekommen die geballte Präsenz der Ordnungshüter empfindlich stark zu spüren. Neu ist das Abkassieren bei bloßem Verdacht einer Geschwindigkeitsübertretung. Stecken Sie schon mal recht viel Bargeld ein, wenn Sie in Richtung Österreich aufbrechen!

Nicht erwiderte Liebe gehört zu den Hauptmerkmalen der Beziehung zwischen Deutschen und Österreichern. Während Deutsche für Land, Laute, Sprache und vermeintliche Mentalität im Nachbarland schwärmen, ist es in Österreich häufig aus mit der Gemütlichkeit, wenn es um die „Piefkes“ aus dem Nachbarland geht.

Vorsicht ist also geboten, wenn Freunde und Helfer in blauer Uniform am Straßenrand stehen. Das gilt insbesondere angesichts der jüngsten, erst 2011 eingeführten Maßnahme, die beim bloßen Verdacht einer Geschwindigkeitsübertretung das Verhängen einer an Ort und Stelle zu zahlenden saftigen Strafe erlaubt. 2010 wurden insgesamt 4,2 Millionen Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt. Bleiben die Zahlen für 2011 annähernd gleich: Wie viele von ihnen werden wohl solche „Verdachtsfälle“ sein, bei denen es im Ermessen der Freunde und Helfer am Straßenrand steht, ob und wie sie den Sünder bestrafen?

Sind Sie einmal in den Verdacht einer Geschwindigkeitsübertretung geraten, kann die wahrlich nicht bescheidene Summe von 1038 Euro als „Sicherheitsbeitrag“ erhoben werden. Wer hat schon in Zeiten von Plastikgeld so viel Bares in der Tasche? Hat der Pechvogel von einem Fahrer das Geld nicht griffbereit, muss das Auto abgestellt und das Geld beschaffen werden, sonst wird es nichts mit der Weiterfahrt. Bleibt der Verdächtige auch nach 72 Stunden zahlungsunwillig, wird das Fahrzeug beschlagnahmt.

Bei so viel anachronistisch anmutender Willkür verwundert nicht, dass man dabei an Schikane denkt. Die Erhöhung der Kontrolldichte hat sicher ihren Preis, und irgendwoher muss das Geld wieder reinkommen. Vielleicht teilweise auch aus den Geldbeuteln der ins schöne Österreich hereinströmenden deutschen Touristen, die von jetzt auf gleich zu Verdachtsfällen deklariert und zur Kasse gebeten werden können?

Dabei gäbe es lohnendere Möglichkeiten, um Kasse zu machen. Etwa bei all den einheimischen Autofahrern, die dort, wo andere einen Zebrastreifen sehen, einen blinden Fleck haben. Darum müssen zum Beispiel in der Hauptstadt in der Nähe von Schulen an allen Fußgängerüberwegen Lotsen oder Polizisten stehen. Was heißt stehen – sie müssen sich mitten auf dem Zebrastreifen aufpflanzen, um die Autos unter Körpereinsatz am Weiterfahren zu hindern. Dort könnte man täglich außerhalb der Schulzeiten reiche Ernte machen!

Von RobGal am 23. Juni 2011, 14:34 Uhr veröffentlicht
Thema: Urlaub

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