Wenn Elche zur bösen Überraschung werden

Volvo entwickelt ein System zur Wildunfall-Vermeidung

Man sieht sie selten – Elche auf und neben den Pisten, wenn man in Schweden unterwegs ist. Sie in voller Schönheit zu betrachten, ist deshalb immer wieder ein Erlebnis. Zu einer bösen Überraschung können Elche allerdings werden, wenn sie einem unerwartet vors Fahrzeug laufen. Und das insbesondere bei Dunkelheit. Das Ergebnis solcher überraschenden Begegnungen sind immer wieder schwere Wildunfälle. 47000 weist die schwedische Unfallstatistik allein für das vergangene Jahr aus, darunter 7000 mit Elchen. Und leider bleibt es bei zahlreichen Unfällen nicht beim Blechschaden. Denn viele enden mit schweren Verletzungen oder gehen tödlich aus – für die Elche ebenso wie die Insassen der beteiligten Fahrzeuge. Das macht das Vermeiden von Wild-Unfällen zu einer gewaltigen Herausforderung für Sicherheitstechniker.

Fußgängererkennung als Ausgangspunkt

Volvos Sicherheitsexperten arbeiten inzwischen intensiv an diesem Thema. Denn mit der im vergangenen Jahr im Volvo S60 erstmals eingeführten Fußgängererkennung mit automatischer Notbremsfunktion verfügen die Schweden bereits über ein Sicherheitssystem, mit dem sich plötzlich vor dem Fahrzeug auftauchende Personen erkennen und wirksame Gegenmaßnahmen gegen Unfälle mit diesen auslösen lassen. Und auch wenn es nicht immer gelingt, einen Unfall gänzlich zu vermeiden, lassen sich auf jeden Fall die Unfallfolgen mindern.

Radar und Kamera im Verbund


Technische Basis der Fußgängererkennung sind eine Radareinheit und eine Infrarotkamera im Fahrzeug. Die von ihnen permanent aufgenommenen Daten werden mit Hilfe einer eigens entwickelten Software so ausgewertet, dass sich Fußgänger vor dem Fahrzeug zuverlässig identifizieren lassen. Diese Technik soll künftig dafür eingesetzt, plötzlich vor dem Fahrzeug auftauchendes Wild so frühzeitig zu erkennen, dass ein Unfall mit diesem möglichst vermieden werden kann. Dazu dient ein umgehend ertönendes akustisches Warnsignal, sobald das System ein Tier in der Gefahrenzone vor dem Fahrzeug erfasst. Und wenn der Fahrzeuglenker darauf nicht reagiert, wird die automatische Notbremsfunktion aktiviert.

Zuverlässige Tiererkennung die große Herausforderung

Das verlangt allerdings eine absolut zuverlässige Erkennung der Tiere vor dem Fahrzeug. Denn das System darf auf keinen Fall Fehlalarme auslösen. Deshalb besteht die größte Herausforderung der Volvo-Sicherheitsforscher derzeit darin, eine Software zu entwickeln, die verschiedene Tierarten und –größen zuverlässig erkennt. So gehörte es unter andrem zu den vorbereitenden Arbeiten, in einem großen Tierpark das artentypische Verhalten von Elchen sowie Rot- und Damwild zu studieren. Solche relativ großen Tiere werden wohl die erste Gruppe sein, auf die das neue Sicherheitssystem zur Vermeidung von Wildunfällen zugeschnitten wird.

Schon 2011 serienreif ?

Seit nunmehr einem Jahr arbeiten die Volvo-Sicherheitstechniker an dessen Entwicklung. Doch noch ist es zu früh, für eine detaillierte Funktionsbeschreibung. Denn neben der zuverlässigen Tiererkennung muss ebenfalls gelöst werden, wann und wie das System in der Alltagspraxis eingesetzt und ausgelöst werden kann. Doch das Expertenteam um Andreas Eidehall, einem Spezialisten für aktive Sicherheitssysteme bei der Volvo Car Corporation, sieht sich auf gutem Weg, das System bereits im nächsten Jahr zu Serienreife zu bringen. Und schon jetzt lässt sich sagen, dass es sowohl bei Tag als auch bei Nacht arbeitet. Denn Wildunfall-Untersuchungen zeigen, dass sich die meisten Unfälle zwischen Abenddämmerung und dem Morgengrauen sowie in den trüben Wintermonaten ereignen.

Fazit der UnfallZeitung


Nach Einführung der Fußgängererkennung mit Notbremsfunktion ist Volvo immer wieder nach einem vergleichbaren Sicherheitssystem zum Schutz gegen Kollisionen mit Tieren gefragt worden. Dank der Ausstattung moderner Autos mit immer mehr Sensoren zur Erkennung ihrer Umgebung liefern die „Sinne unserer Autos“ zusehends mehr Daten, die sich mit Hilfe intelligenter Software verknüpfen und zu immer neuen Sicherheitssystemen weiterentwickeln lassen. Die von Volvo jetzt in Angriff genommene Wildunfall-Vermeidung ist ein viel versprechendes Beispiel für diesen Trend, das Fahren konsequent sicherer zu machen.
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Fotos: Volvo

Von Ivd/UnZe am 15. Juni 2011, 15:07 Uhr veröffentlicht
Themen: Sicherheit | Tiere



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