Werkstätten und Elektroautos: Denn sie wissen nicht, was sie tun

Wer sein Auto in die Werkstatt bringt, tut das in vollem Vertrauen darauf, dass dort alles getan wird, um es optimal zu warten, zu pflegen und instand zu setzen. Da macht es mehr als nachdenklich, wenn man eine Passage aus der jüngst zur Auto-Mobil International 2010 in Leipzig vorgestellten Befragung des TÜV-Süd betrachtet, in der es darum geht, wie gut Handel und Werkstätten auf die Elektromobilität vorbereitet sind, die derzeit als eine der Zukunftschancen für eine Weiterentwicklung der Mobilität gesehen wird. Denn abgesehen von den Markenwerkstätten von Toyota und Lexus, wo es seit längerem Hybridfahrzeuge im Angebot gibt, sind mehr als 80 Prozent der in der Studie befragten Autohändler und Werkstätten ohne Schulung im Ungang mit Hybrid- und Elektroautos. Und 35 Prozent sind, zumindest derzeit, auch nicht bereit, ihre Mitarbeiter für das Arbeiten an Elektrofahrzeugen schulen zu lassen.

Ohne Schulung und Anleitung – das ist ein Skandal

Dennoch würden sich 22 Prozent der befragten Werkstätten selbst ohne Schulung und Reparaturanleitung an ein unbekanntes Elektroauto heranwagen. Und das ist mehr als nur erschreckend sondern ein echter Skandal. Denn während konventionelle Fahrzeuge mit einer Bordspannung von harmlosen 12 Volt und der doppelten Spannung bei schweren Nutzfahrzeugen auskommen, liegen bei Elektroautos bis zu 400 Volt an. Das macht sie zwar nicht grundsätzlich gefährlicher als unsere klassischen Autos mit Verbrennungsmotor. Aber diese bei einem eventuellen Stromschlag lebensgefährliche Hochspannung, die sich zum Beispiel in einem noch nicht entladenen Kondensator verbergen kann, verlangt, dass man die im Umgang mit ihr bestehenden Risiken kennt. Das gilt nicht nur für Gefahren für Leben und Gesundheit der an solchen Fahrzeugen arbeitenden Mitarbeiter, sondern auch für die Fahrzeuge selbst. Eine durch falschen Umgang mit der Batterie entstehende Entzündung oder durch einen Fehler am Hochspannungssystem entstehender Lichtbogen kann nicht nur das gesamte Fahrzeug zerstören, sonder auch die Werkstatt, in der an ihm gearbeitet wird.

Der Mangel an Verantwortungsbewusstsein entsetzt

So kann man angesichts der Tatsache, dass sich 22 Prozent auch ohne Schulung und Reparaturanleitung an ein Elektrofahrzeug heranwagen würden, eigentlich nur zu dem Schluss kommen, „sie wissen nicht was sie tun!“ Und dabei geht es nicht in erster Linie um einen Mangel an Gefahrenbewusstsein. Denn das kann sich erst entwickeln, wenn man sich in einer ausführlichen Schulung detailliert mit Elektroautos und den in seinem Hochspannungssystem liegenden Risiken auseinandersetzt. Viel schwerer wiegt, dass hier ein offensichtlicher und gefährlicher Mangel an Verantwortungsbewusstsein vorliegt. Insofern kann man dem TÜV-Süd eigentlich nur dankbar sein, dass er dies durch seine Umfrage erkennbar gemacht hat.

Auf breiter Front informieren – bereits jetzt

Das allerdings verbietet, nun wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. Denn der sich hier offenbarende Abgrund fordert geradezu dazu heraus, auf breiter Front und schon hier beginnend bei der Berufsausbildung für eine umfassende Information über die spezifischen Risiken der Elektromobilität zu sorgen – und das sehr sachlich und ohne unnötige Angst zu machen. Denn selbstverständlich sind Elektroautos nicht weniger crashsicher als unsere konventionellen Autos und in einer gut geschulten Werkstatt ebenso sicher beherrschbar. Aber das nötige Wissen dafür muss vorhanden sein.

Vor dem Werkstattauftrag nachfragen

Und jedem Werkstattkunden, der einen Hybrid oder Elektroauto in die Werkstatt bringt, kann man angesichts der Ergebnisse der Studie des TÜV-Süd nur empfehlen, sich vor der Auftragsvergabe zu versichern, dass diese auch über Mitarbeiter verfügt, die ausreichend geschult mit dieser künftig wichtiger werdenden Form der Mobilität sind.

UnfallZeitung/Ingo von Dahlern)
Fotos:
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Von Ivd/UnZe am 16. April 2010, 13:33 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 16. April 2010, 14:27 Uhr
Themen: Technik | Training | Werkstatt



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