Zahl der Verkehrstoten auf Tiefstwert

Neueste Statistik zeigt Rückgang von zwölf Prozent im vergangenen Jahr

Nur noch 3657 Verkehrstote auf deutschen Straßen im vergangenen Jahr – diese soeben vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Zahl zur Unfallentwicklung im Straßenverkehr übertrifft selbst kühnste Erwartungen. Denn sie bedeutet für 2010 einen Rückgang der Zahl der Verkehrstoten von 4152 im Jahr 2009 um 495 Getötete und damit um zwölf Prozent. So dramatisch gesunken sind die in Deutschland seit Jahren kontinuierlich zurückgehenden Opferzahlen, die damit ihren niedrigsten Stand seit 60 Jahren erreicht haben, seit langem nicht mehr. Und gesunken ist auch die Zahl der im Straßenverkehrs Verletzten, die 2010 mit rund 371700 Personen um rund 6,5 Prozent niedriger lag als im Vorjahr.

Unfallzahlen insgesamt erhöht

Zugenommen hat allerdings die Zahl der polizeilich aufgenommenen Unfälle, die um rund 3,8 Prozent auf nunmehr rund 2,4 Millionen stieg. Dieser Zuwachs geht allein auf das Konto von mehr Unfällen mit Sachschäden, die 2010 um 5,5 Prozent auf 2,1 Millionen zunahmen. Zugleich verringerte sich die Zahl der Unfälle mit Personenschäden auf rund 288800, was einem Rückgang um 7,1 Prozent entspricht. Mehr Unfälle aber weniger Getötete lautet der aus dieser Entwicklung klar ableitbare Trend für die Unfallentwicklung im Jahr 2010.

Mehr Sachschäden dank niedrigeren Tempos

Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung hat nach den Daten des Statistischen Bundesamts die ausgeprägt winterlichen Witterungsverhältnisse im Januar sowie im November und Dezember 2010. Denn auf schnee- und eisbedeckten Straßen geschehen zwar häufiger Unfälle. Die aber führen angesichts der bei solchen Wetterverhältnissen gefahrenen niedrigeren Geschwindigkeiten vorwiegend zu Sachschäden. Das belegt die Statistik mit einem besonders großen Rückgang der Verkehrstoten gerade in den Monaten mit winterlichen Verkehrsverhältnissen.

VCD fordert weitere Tempolimits

Wie zu erwarten, hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) diese Zahlen umgehend genutzt, um seine alte Forderung nach der Einführung niedrigerer Tempolimits zu wiederholen. So plädieren Doris Neuschäffer vom VCD-Bundesvorstand und Gerd Lottsiepen als verkehrspolitischer Sprecher des VCD für Tempo 120 auf Autobahnen, Tempo 90 auf Landstraßen und eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h im innerstädtischen Verkehr. Und beide setzen sich dafür ein, das Verkehrssicherheitskonzept „Vision Zero – Null Verkehrstote“ zur Basis der gesamten Verkehrssicherheitspolitik zu machen.

Unrealistischer Ansatz

Auch aus Sicht der UnfallZeitung sind die immer noch zu beklagenden 3657 Verkehrstoten des vergangenen Jahres ein hoher Blutzoll, denn sie bedeuten 45 Tote pro eine Million Einwohner. Deshalb unterstützt sie jeden überzeugenden Ansatz, die Opferzahl weiter zu senken. Radfahrer und Fußgänger nur deswegen, weil sie keinen Airbag haben, zum „Maß aller Dinge in der Verkehrssicherheit zu machen“, so wie es der VCD fordert, betrachten wir allerdings als ebenso unrealistisch wie das Konzept „Vision Zero“.

Ohne Regelbefolgung unbeherrschbar

So lange für ein aus vielen Partnern bestehendes System Regelbefolgung allein für Autofahrer konsequent durchgesetzt und massive Regelübertretungen durch die schwächeren Verkehrsteilnehmer geduldet werden, bleiben die Risiken dieses Systems unbeherrschbar. Und wenn ein Fußgänger sich durch „Musik im Ohr“ der Möglichkeit beraubt, Signale des ihn umgebenden Verkehrs auf- und wahrzunehmen, ist es ziemlich unwichtig, ob er gegen ein mit Tempo 50 oder Tempo 30 fahrendes Auto läuft (Der Tod kommt mit Musikbegleitung). Zudem zeigen Langzeitbeobachtungen renommierter Unfallforscher, dass bei einem nicht vernachlässigbaren Anteil tödlicher Eigenunfälle von Suiziden ausgegangen werden muss.

Das Restrisiko bleibt

„Vision Zero“ erscheint unter solchen Aspekten als ein wohlmeinender aber realitätsferner Ansatz. Und niemand sollte vergessen, dass jede weitere Senkung der Unfallzahlen umso aufwändiger wird, je niedriger die Gesamtzahl der Unfälle ist. Niemand darf schließlich übersehen, dass Nutzen und Kosten von Unfallvermeidungsmaßnahmen letztlich in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen müssen. Und keiner sollte sich der Illusion hingeben, dass mit weiterer Perfektionierung aller Sicherheitsmaßnahmen „Vision Zero“ tatsächlich erreichbar ist. Denn nach den Gesetzen, nach denen unsere Welt funktioniert, bleibt stets ein Restrisiko, dass sich durch nichts aus der Welt schaffen lässt.
Ingo von Dahlern/UnfallZeitung
Foto:© Dieter Brockmann - Fotolia.com
© Rainer Schmittchen - Fotolia.com

Von Ivd/UnZe am 25. Februar 2011, 10:18 Uhr veröffentlicht
Zuletzt bearbeitet am 26. Februar 2011, 14:36 Uhr
Thema: Statistik



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