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Konzerne: Der Druck zu Fusion und Kooperationen wächst
Neue Anforderungen und Herausforderungen | Hohe Investitionskosten und lange Entwicklungszeiten | Unproduktive Konkurrenz?

RobGal

Ein alter Trend nimmt neu Fahrt auf. Erst kürzlich gingen Fiat-Chrysler und Renault mit ihrem Fusionsvorhaben an die Öffentlichkeit. Die beiden Automobilkonzerne kommen aus drei Ländern (Italien, USA und Frankreich) und versprechen sich vom Zusammengehen in der Hauptsache Ersparnisse sowie Synergieeffekte und damit auch eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit und Steigerung der Rendite. Laut Medienberichten soll Renault-Chef Jean-Dominique Senard den neuen Konzern leiten. Zusammen mit Nissan und Mitsubishi, mit denen Renault in einer „Allianz“ verbunden ist, entstünde damit der größte Autohersteller der Welt.
Die Ankündigung des Zusammengehens ist kein Einzelfall in der globalen Branche. Der Wandel der industriellen Produktion auch auf diesem Gebiet erfordert immens hohe Investitionen. Dazu ist erweitertes Know-how, Marktzugang in den verschiedenen Regionen und engeres Zusammenwirken über Landes-, Branchen- und Konzerngrenzen hinweg nötig. Nicht zuletzt setzen auch die Herausforderungen der Elektromobilität, der Digitalisierung und Vernetzung der Fahrzeuge, des automatisierten Fahrens und künftiger Mobilitätsdienste neue Kooperationen, gar Fusionen auf die geschäftspolitische Tagesordnung. In allen Fällen will man die Kosten im mehrstelligen Milliardenbereich bei Forschung, Entwicklung, Einkauf und in den Produktionsabläufen reduzieren und nicht zuletzt die Gewinnaussicht für die Aktionäre verbessern.

So gelangen selbst solche Erzrivalen wie BMW und Daimler zu der Konsequenz, beim Aufbau neuer Mobilitätsdienste zu kooperieren. Dafür gründeten sie vor wenigen Monaten das gemeinsame Unternehmen Moovel. Es hält über eine digitale Plattform Angebote vom Carsharing über neue Mitfahrdienste bis hin zu Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr bereit oder tüftelt daran. Darüber hinaus wollen beide Konzerne gemeinsam und beschleunigt das automatisierte Fahren und entsprechende Assistenzsysteme hervorbringen.

Damit nicht genug der internationalen Zusammenarbeit. Ford und Volkswagen haben sich erst vor kurzem im Nutzfahrzeugbereich zusammengetan, um bis spätestens 2022 Plattformen für Transporter und Pick-ups vorweisen zu können. Ähnliches soll auch für Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienste geplant sein.

Trotzdem verstärkter Konkurrenzkampf

Mit Zusammenarbeit werden zwar die neuen Herausforderungen besser gemeistert und lassen sich die dafür erforderlichen Investitionen und technologischen Innovationen besser bewerkstelligen. Aber eine Verminderung des harten und teils ruinösen internationalen Wettbewerbs ist damit nicht in Sicht, denn die neuen Kooperationen und Fusionen befinden sich zu den anderen Zusammenschlüssen in einem Konkurrenzkampf, der dann gegebenenfalls noch schärfer ausgefochten werden wird.

Zudem weisen Fachleute darauf hin, dass das vereinte Agieren von Unternehmen, die bisher ihren eigenen Weg gingen, einen besonderen Aufwand erfordert, wofür wiederum Zeit und Geduld nötig sind. Es stellt sich die Frage, ob Fahrzeuge des höchsten Automatisierungsgrades 5, die gänzlich ohne Fahrer, Pedale und Lenkrad auskommen, angesichts des immens hohen finanziellen Einsatzes und der sehr langen Entwicklungszeit für den individuellen Massenverkehr überhaupt geeignet sind. Vertreter von Volkswagen stellen das in Frage. Wie generell zu überlegen ist, ob es in punkto neue Mobilitätsdienste nicht zu sehr unproduktiver Konkurrenz durch fusionierte Mega-Unternehmen und zu Lasten der Öffentlichkeit und der Fahrgäste kommen könnte. Weshalb besser das Konzept des bereits vorhandenen öffentlichen Nahverkehrs ausgebaut werden sollte. Vielleicht ja auch in Zusammenarbeit mit den Konzernen.

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Quellen
    • Foto: © alphasprint - Fotolia.com | Text: Olaf Walther (kb)