Autonomer Gigant: BASF setzt auf 32-rädrigen Containertransporter für Schwerlasten
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RobGal -
9. November 2017 um 12:27 -
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Das Fahrzeug, das beim Chemiekonzern BASF im Werk Ludwigshafen im Schritttempo – mit maximal 30 km/h – über das Firmengelände schleicht, ist 18 Meter lang und verfügt über acht gelenkte Achsen und 32 Räder, damit es seine bis zu 78 Tonnen schwere Fracht aufnehmen kann.
Das knallgelb lackierte Fahrzeug, das aussieht wie ein Tieflader, ist ein extrem wendiges automatisiertes Transportfahrzeug, ein so genanntes AGV (Automated Guided Vehicle), das von Sensoren gelenkt und von Transpondern im Boden per Funk gesteuert wird - ganz ohne Fahrer.
Das AGV wurde vom niederländischen Industriekonzern VDL, der sich vor allem mit der Herstellung von Bussen einen Namen gemacht hat, speziell für die BASF entwickelt, um 13,70 und 15,90 Meter lange Tankcontainer auf dem Ludwigshafener Werksgelände zu transportieren. Das AGV nimmt diese selbstständig auf und fährt dann ferngesteuert zum Zielort. Dabei teilt sich das fahrerlose Fahrzeug den Weg mit anderen Verkehrsteilnehmern: mit Fußgängern, Radfahrern, Pkw und Lkw. Um Unfälle zu vermeiden, tasten Sensoren ständig die Umgebung ab, gleichzeitig übertragen Kameras in Echtzeit Bilder an die Leitstelle.
Vier Elektromotoren sorgen für den Antrieb der acht Achsen. Neben dem Elektromotor mit Lithium-Titanat-Batterie, einer Variante der Lithium-Ionen-Batterie, gibt es einen Dieselmotor, der als Generator arbeitet und die Batterien auflädt. Das Zusatzaggregat sorgt dafür, dass der E-Transporter nicht nach einer Stunde rein elektrischer Fahrt sofort wieder an die Steckdose muss.
Aber nicht nur das Roboterfahrzeug selbst ist eine Besonderheit, auch die Container, die es transportieren soll, sind Spezialanfertigungen. Sie wurden von Van Hool, einem belgischen Hersteller von Nutzfahrzeugen und Tankcontainern, speziell für die BASF und das AGV angefertigt. Sie fassen bis zu 73.000 Liter Flüssigkeit und können insgesamt 66 Tonnen laden - doppelt so viel wie ein herkömmlicher Tankcontainer und damit so viel wie ein Chemiekesselwagen auf der Schiene. Insgesamt 700 dieser Mega-Tankcontainer hat die BASF bei Van Hool bestellt.
Das AGV befindet sich noch in der Testphase und transportiert daher noch keine Chemikalien, sondern nur leere oder mit ungefährlichem Wasser gefüllte Container. Bisher seien die Tests zur Zufriedenheit der BASF verlaufen, „die Anforderungen werden erfüllt“, teilte der Konzern mit. Für die Zukunft plant BASF auch Platooning-Konzepte (automatisierte und vernetzte Konvois) und den Einsatz selbstfahrender Einheiten auch außerhalb des Werksgeländes.