Teure Scheinausbildung –für rund 28000 Euro . Wenn Sachverständige ohne Grundlagen auf Kunden losgelassen werden.
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RobGal -
6. August 2025 um 08:55 -
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Von Roberto Galifi, Kfz-Sachverständiger VKS e.V. und Motorjornalist VDM e.V.
Der jüngste Vorfall war exemplarisch: Ein Bewerber stellte sich in meinem Büro vor – mit einem frischen Zertifikat in der Hand, das ihm nach einem zwölfmonatigen Lehrgang ausgehändigt worden war. Kostenpunkt: 23.000 Euro, dazu rund 5.000 Euro an Reise- und Unterkunftskosten. Sie haben richtiggelesen finanziert aus öffentlichen Mitteln.
Auf meine erste fachliche Frage – „Was ist technisch gesehen ein Auto?“ – kam nur ein zögerliches „Äh…“. Auf die Anschlussfrage – „Wie definieren Sie einen Unfall?“ – war ebenfalls keine brauchbare Antwort zu hören. Kaskoversicherung? Unbekanntes Terrain. Die Gesprächsatmosphäre kippte rasch.
Dabei sind diese Fragen keineswegs Spezialwissen. Jeder ernstzunehmende Sachverständige muss wissen, dass ein Auto juristisch wie technisch als mehrspuriges, eigenangetriebenes Fahrzeug auf eigenen Achsen und Rädern gilt – kein Anhänger, kein Fahrrad, sondern ein Fahrzeug, das für den Straßenverkehr konzipiert ist.
Ein Pkw-Unfall wiederum ist ein plötzliches, von außen einwirkendes Ereignis im öffentlichen oder privaten Verkehrsraum, bei dem mindestens ein Pkw beteiligt ist und ein Schaden an Personen, Fahrzeugen oder Sachen entsteht.
Das Gespräch mit dem Bewerber endete schnell – denn auch die Kfz-Meisterqualifikation fehlte, was mir bei der Prüfung der Unterlagen im Vorfeld hätte auffallen müssen.
Doch viel bedenklicher ist: Solche Fälle sind keine Einzelfälle. Und die Träger dieser Kurse werben offensiv mit vermeintlicher Sachverständigenkompetenz – auf Kosten des Steuerzahlers und mit Billigung der Arbeitsverwaltung.
Noch gravierender: Die Abschlusszertifikate dieser Ausbildungen sind nicht durch die DAkkS akkreditiert, erfüllen also nicht die Norm DIN EN ISO/IEC 17024. Sie besitzen keine rechtliche Aussagekraft.
Was läuft hier schief?
Es kann nicht sein, dass staatliche Stellen Fortbildungen finanzieren, deren Absolventen anschließend mit gefährlichem Halbwissen als „Sachverständige“ auf Verbraucher losgelassen werden. Ein solches Vorgehen beschädigt den Berufsstand und gefährdet das Vertrauen der Öffentlichkeit – schlimmstenfalls mit gesundheitlichen oder finanziellen Folgen für Betroffene.
Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann der erste große Fall öffentlich wird, bei dem durch ein falsches Gutachten ein Schaden nicht erkannt, ein Unfallhergang falsch rekonstruiert oder eine Reparatur unsachgemäß bewertet wird.
Braucht es erst Verletzte – oder Schlimmeres – bevor jemand die Notbremse zieht?
Es ist höchste Zeit, dass der Gesetzgeber prüft, welche Bildungsträger Sachverständigen-Ausbildungen anbieten dürfen, und dass die öffentlichen Kostenträger striktere Anforderungen an Zertifizierungsqualität und fachliche Eignung stellen.
Die Berufsverbände VKS e.V und BVSK haben hier ihre Kriterien klar definiert. Der Staat darf diese Standards nicht unterlaufen. Alles andere führt direkt in die Irre – und kostet am Ende, wenn es gut läuft, nur Geld.
Die gesammten Unterlagen befinden sich mit dem Zertifikat in meinen Händen.
Von Roberto Galifi, Kfz-Sachverständiger VKS e.V. und Motorjornalist VDM e.V.