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Die neue Unsichtbarkeit der Sicherheit

  • RobGal
  • 12. August 2025 um 15:56
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Von „sichtbarer“ Sicherheit zu Black-Box-Systemen

Früher waren lebensrettende Innovationen sichtbar und überprüfbar: die gestaltfeste Fahrgastzelle mit Knautschzonen (Béla Barényi begann 1939 serienreif ab 1959) und der Dreipunkt-Gurt (1958 von Nils Bohlin erfunden Volvo1959) reduzierten Verletzungen drastisch – ihre Funktionsfähigkeit ließ sich nach einem Unfall handwerklich nachvollziehen.

Heute bestimmen elektronische Fahrerassistenzsysteme (ADAS Advanced Driver Assistance Systems Fahrerassistenzsysteme) die Sicherheit. Seit 7. Juli 2024 schreibt die EU-GSR (VO (EU) 2019/2144) für alle Neuzulassungen eine Reihe aktiver Sicherheitssysteme sowie den Ereignisdatenspeicher (EDR (Event Data Recorder Unfalldatenspeicher) vor. Was Sicherheit bringt, schafft zugleich neue Fehlerbilder – und Beweisprobleme. Binnenmarkt und IndustrieBundesministerium für Verkehr

Wenn Algorithmen „sehen“: neue Unfallmuster

Unbegründete Bremsmanöver („Phantom­bremsungen“) zählen zu den prominentesten Risiken: Fahrzeuge leiten ohne äußeren Anlass Verzögerungen ein, was zu Auffahr­kollisionen führen kann. Das KBA untersucht derartige Phänomene und betont, dass sie herstellerübergreifend auftreten können. Auch große Medien berichten seit 2024/25 über Schwachstellen, falsche Warnungen und Eingriffe moderner Systeme. auto motor und sport DIE ZEIT

Konsequenz im Gutachter- und Werkstattalltag: Eine reine Sichtprüfung genügt nicht mehr. Funktion und Fehlverhalten liegen im Zusammenspiel aus Sensorik (Kamera, Radar, Ultraschall, ggf. LiDAR (Light Detection and Ranging Sensoren werden in selbstfahrenden Autos eingesetzt), Softwarestand, Kalibrierung und Einbauumgebung

Kalibrieren oder riskieren

Nach Scheibenwechsel, Front-/Heckreparaturen, Achsvermessung oder Fahrwerks­eingriffen ist die Kalibrierung vieler Systeme vorgeschrieben. Fachverbände dokumentieren klar: Falsch oder gar nicht justierte Sensoren werden vom Steuergerät teils nicht als Fehler erkannt – mit realer Unfallgefahr. ifl-ev.de

Fachpresse zeigt zudem aktuelle Fälle von unsachgemäßer Kalibrierung („Pfusch am Bau“) nach Scheibentausch – vermeintlich „gemäß Herstellervorgabe“, tatsächlich lebensgefährlich. »F+K Fahrzeug+Karosserie«

Lack, Kunststoff, Sensor – kleine Abweichung, große Wirkung

Schon vermeintliche Kleinigkeiten verändern Messergebnisse: zu dicke oder metallisch pigmentierte Lackschichten vor Front-/Heckradaren, falsch lackierte Ultraschall­sensoren oder unsaubere Einclipsung verfälschen Signale; das System reagiert zu spät, zu früh – oder auf das falsche Objekt. OEM-Vorgaben zur Lackschichtdicke und Sensor­umgebung sind deshalb prüfrelevant. schaden.newsk-t-i.dede.defelsko.com

Ein weiteres Risiko: Fälschungen im Teilemarkt

Parallel wächst die Bedrohung durch gefälschte Ersatzteile, darunter sicherheits­relevante Komponenten (z. B. Bremsbeläge, Luftfilter). Behörden meldeten 2024 weltweit über 1,5 Mio. beschlagnahmte Produktfälschungen in hunderten Razzien – ein deutliches Risiko für Reparaturqualität und Verkehrssicherheit. Mercedes-Benz Groupauto motor und sport

Was heißt das für Unfallaufnahme, Begutachtung und Reparatur?

1) Für Sachverständige (Beweissicherung):

  • Steuergeräte- und ADAS-Fehlerspeicher vollständig auslesen (inkl. hersteller­spezifischer Protokolle) und dokumentieren; EDR-Daten sichern, sofern vorhanden. European Commission
  • Kalibrier- und Achsvermessungsprotokolle, Scheiben-/Stoßfänger-/Frontmasken­rechnungen, Software-/Update-stände, Reifenspezifikation erfassen. ifl-ev.de
  • Lackschichtdicken im Bereich vor Sensoren messen; Abgleich mit OEM-Grenzen. de.defelsko.com

2) Für Werkstätten (Haftungsprävention):

  • Arbeiten nur auf geeignetem Kalibrierplatz (Einstellwand, Targets, Beleuchtung, Ladeerhaltung); geschultes Personal; tagesaktuelle Herstellerleitfäden.
  • Keine Improvisationen bei Kameras/Radaren nach Scheibentausch; Lack-/Materialvorgaben penibel einhalten; Kalibrierprotokolle dem Kunden aushändigen. » F+K Fahrzeug+Karosserie«

3) Für Halter (Risikominimierung):

  • Auf zertifizierte Betriebe mit ADAS-Kalibrierkompetenz achten; Protokolle verlangen.
  • Vorsicht bei Billig-Angeboten und Online-Teilen ohne Herkunftsnachweis. Hinweise der Hersteller zu Plagiaten ernst nehmen. Mercedes-Benz Group

Fazit

Die Sicherheitsgewinne moderner Systeme sind real – aber die Transparenz ihrer Funktionsfähigkeit ist gering. Fehlerbilder entstehen leise, oft ohne Fehlereintrag, und werden durch mangelhafte Kalibrierung oder falsche Materialien verschärft. Unabhängige Sachverständige werden damit wichtiger denn je: Sie wissen, wo und was zu sichern ist, erkennen fehlerhafte Reparaturen und können seriöse Partner benennen.

Infokasten: Kurze Sicherheitshistorie (Deutschland/EU)

  • 1959: Serienreife Knautschzone/Fahrgastzelle (Baureihe mit gestaltfester Zelle); 1959 Dreipunkt-Gurt eingeführt.  Volvo Gruppe
  • Gurtpflicht: ab 1. 1. 1976 (Front); Verwarnungsgeld ab 1. 8. 1984; Fond-Anlegepflicht ab 1. 8. 1984 (Verwarnungsgeld ab 1. 7. 1986). Bast
  • Seit 7. 7. 2024: EU-weit für Neuzulassungen Pflicht-ADAS (u. a. AEB, ISA, Spurassistenz) und EDR; für alle neuen Fahrzeugtypen schon seit 2022. Binnenmarkt und Industrie

Quellen (Auswahl)

KBA/Regulierung und übergreifende Berichterstattung zu ADAS-Schwachstellen und Pflichtsystemen (2024/25), Kalibrieranforderungen sowie Teilefälschungen: VKS e.V. ZEIT, auto-motor-und-sport, EU-Kommission/EUR-Lex, BMVI, BASt, IFL/KTI, Fachpresse.

  • Vorherige News Teure Scheinausbildung –für rund 28000 Euro . Wenn Sachverständige ohne Grundlagen auf Kunden losgelassen werden.

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Quellen

Tags

  • Kfz-Sachverständige
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  • EDR
  • Ereignisdatenspeicher

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