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Continental will das Auto aus der Krise fahren
<p><strong>Der Zulieferer will das Auto mit einer Technologieoffensive aus der Krise führen | Highlights aus den unterschiedlichen Bereichen zur IAA angekündigt</strong></p><p>Continental will die Krise des Automobils mit einer Technologieoffensive beantworten. Bei der in Frankfurt ausgerichteten Internationalen Automobilausstellung (IAA) im September, der größten ihrer Art, will der Zulieferer mit Sitz in Hannover zeigen, was in der näheren und weiteren Zukunft technisch möglich ist. Der Vorstandsvorsitzende, Elmar Degenhardt, hat als Leitlinie ausgegeben: „Null Unfälle, null Emissionen, null Stress.“</p>
- Autor
- Roberto Galifi
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- Sicherheit & Technik
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<p class=„text-justify“><strong>Mit einer Technologieoffensive will Continental auf die Automobilkrise reagieren. Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) im September in Frankfurt, der größten ihrer Art, will der Zulieferer aus Hannover zeigen, was in naher und ferner Zukunft technisch möglich ist. Null Unfälle, null Emissionen, null Stress„ hat Vorstandschef Elmar Degenhardt als Leitlinie ausgegeben.</strong></p><p class=“text-justify">Neue Technologien, davon ist er überzeugt, müssten „ökoeffizient“ und „gesellschaftlich akzeptiert“ sein: „So schützen wir nicht nur das ökologische Klima, sondern auch das ökonomische und das soziale“, sagte Degenhardt, sichtlich beeindruckt von den jüngsten Klimaprotesten, beim Technologie-Tag des Konzerns vor Journalisten Anfang Juli.</p><p class=„text-justify“>Die Digitalisierung schafft die technischen Voraussetzungen zum Beispiel für eine vorausschauende Stabilitätskontrolle, bei Continental „ESC“ genannt. Die Idee: Kameras und andere Sensoren im Auto registrieren zum Beispiel Regenwasser und eine rutschige Kurve auf der Landstraße. Diese Informationen werden in eine Datenwolke gesendet, dort mit Hilfe künstlicher Intelligenz zusammen mit Wetter- und Straßenzustandsdaten ausgewertet und den nachfolgenden Fahrzeugen zur Verfügung gestellt. Deren Systeme werden so durch das „eHorizon“ genannte System gewarnt. Unterschätzt der Fahrer nun die glatte Kurve und fährt zu schnell hinein, sorgt das vorausschauende ESC im Auto durch gezielte Bremseingriffe dafür, dass der Wagen in der Spur bleibt und nicht ausbricht. Selbst aus 70 km/h erfolgt die automatische Verzögerung für die Insassen sehr komfortabel, wie der kb bei ersten Tests feststellen konnte.</p><p class=„text-justify“>eHorizon ist ein Beispiel für die vielbeschworene Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und könnte auch zur Bestimmung eines Stauendes oder zur situationsgerechten Auslegung des Notbremsassistenten genutzt werden.</p><p class=„text-justify“>Rechtsabbiegeunfälle in der Stadt sind ein Alptraum, die Folgen vor allem für ungeschützte Verkehrsteilnehmer oft fatal. Bislang sind präventive Abbiegeassistenten nur für Lastwagen in der Diskussion. Das technische Problem: Ein Pkw ist kleiner und mit höherem Tempo unterwegs, daher muss sein Abbiegeassistent noch präziser und schneller sein, wenn sich ein Radfahrer mit geringem Abstand im toten Winkel zügig nähert. Ein von Continental entwickelter Nahbereichsradar macht ein solches System nun realisierbar. Er arbeitet mit 77 statt mit bislang 24 Gigahertz. Dadurch ist die Auflösung höher, die Trennschärfe der erfassten Personen und Objekte besser. Vier solcher Sensoren am Auto ermöglichen laut Continental eine 360-Grad-Rundumsicht. Ein darauf basierender Prototyp eines Pkw-Abbiegeassistenten funktioniert bereits so gut, dass sich mit ihm befasste Techniker für Abbiegetests als „lebende Dummys“ auf einem Fahrrad zur Verfügung stellen.</p><p class=„text-justify“>Mit dem neuen Radar ließe sich ebenso ein Schutzsystem gegen das verfrühte Öffnen von Autotüren bei sich von hinten nähernden Fahrzeugen entwickeln oder ein Ausweichassistent, der das Auto zum Schutz vor einer drohenden Kollision in einen als sicher erkannten Bereich lenkt.</p><p class=„text-justify“><strong>Aus der Vogelperspektive</strong><br>So nützlich Radar, Kamera und Co. im Auto auch sind, es gibt Situationen, in denen auch sie versagen, weil sie nicht um die Ecke oder durch Hindernisse sehen können. Deshalb bringen die Entwickler von Continental ihre Technik auch an Ampeln oder Laternenmasten an. Von dort aus beobachten die Sensoren das Verkehrsgeschehen aus der Vogelperspektive und senden Warnungen vor verdeckten Verkehrsteilnehmern an die Fahrzeugsysteme, etwa vor schlecht einsehbaren Stauenden oder Unfallstellen.</p><p class=„text-justify“>Auf diese Weise könnte auch der Verkehr gesteuert werden, z.B. bei hohem Verkehrsaufkommen oder starker Luftverschmutzung. Außerdem könnten Empfehlungen für eine grüne Welle gegeben oder die Straßenbeleuchtung energiesparend gesteuert werden. Auch die Parkraumbewirtschaftung könnte so organisiert werden. Die gesammelten Daten würden direkt nach der Erhebung anonymisiert verarbeitet und sofort gelöscht, versicherten die Continental-Ingenieure gegenüber dem kraftfahrt-bericht. Testprojekte mit „intelligenten“ Kreuzungen und Straßenlaternen laufen bereits in China und den USA.</p><p class=„text-justify“>Die Überwachung funktioniert auch im Innenraum, damit zum Beispiel ein automatisiertes Fahrzeug das Steuer im richtigen Moment wieder an den Fahrer zurückgibt. Eine von Continental entwickelte Infrarotkamera beobachtet den Fahrer, „ob er aufmerksam oder abgelenkt ist, ob er die Hände am Lenkrad hat oder hinter dem Kopf verschränkt“. Auf diese Weise könnten auch Sicherheitsgurte und Airbags im entscheidenden Moment optimiert werden, indem sie sich genauer an die Sitzposition der Insassen anpassen.</p><p class=„text-justify“>Für welche konkreten Systeme die neuen Technologien letztlich eingesetzt werden und welche Art von Assistenten in die Autowelt Einzug halten, wird maßgeblich von der gesellschaftlichen Akzeptanz sowie den Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten der Verbraucher abhängen. Darüber hinaus wird allein durch die technologische Entwicklung ein gesellschaftlicher Trend zur Kooperation immer deutlicher: „Die Systeme sind nicht mehr einzeln zu verstehen oder zu entwickeln“, stellte Continental-Technikvorstand Dirk Abendroth fest. Technische Kooperation wird zur Notwendigkeit, und zwar umfassend: über Konzerne, Branchen und Länder hinweg. Auch deshalb müsse die Gesellschaft in die Gestaltung des tiefgreifenden Wandels einbezogen werden. Man darf gespannt sein auf die IAA 2021, wenn die ersten Systeme der Zukunft serienreif sein werden.</p>
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Quellen
- Foto: Continental | Text: Kristian Glaser (kb)