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Donnerstag, 20. August 2026 Unabhängig zu Unfallrecht, Gutachten und Schadenregulierung

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Politik 4 Min. Lesezeit

Gutachten statt Pfandflaschen: Der Nebenjob für Rentner

Kurz gefasst Wenn die Berufsbezeichnung kaum geschützt ist, warum sollen ausgerechnet unsere Rentner diese Möglichkeit nicht nutzen? Die Politik hat offenbar einen genialen Weg gefunden, um Altersarmut zu bekämpfen: Rentner müssen künftig keine Pfandflaschen mehr sammeln. Sie werden einfach Sachverständige.
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Roberto Galifi
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Ressort
Politik & Umwelt
Quellen
1 belegte Quelle
Gutachten statt Pfandflaschen: Das neue Beschäftigungsprogramm für Rentner

SATIRE

Wenn die Berufsbezeichnung kaum geschützt ist, warum sollen ausgerechnet unsere Rentner diese Möglichkeit nicht nutzen?

Ein satirischer Kommentar von Roberto Galifi

Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen politischen Maßnahmen, Förderprogramme, Zugangsvoraussetzungen und Lehrgänge sind frei erfunden. Der Beitrag richtet sich nicht gegen Rentnerinnen und Rentner, sondern kritisiert fehlende verbindliche Qualifikationsanforderungen im Sachverständigenwesen.

Bildunterschrift: Satirische Illustration. KI generiert Sämtliche Personen und die dargestellte Situation sind frei erfunden.

Die Politik hat offenbar einen genialen Weg gefunden, um Altersarmut zu bekämpfen: Rentner müssen künftig keine Pfandflaschen mehr sammeln. Sie werden einfach Sachverständige.

Schließlich ist die allgemeine Bezeichnung „Sachverständiger“ in Deutschland rechtlich nicht geschützt. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder ohne Sachkunde beliebige Gutachten erstellen oder Auftraggeber über seine Qualifikation täuschen darf. Auch nicht formal anerkannte Sachverständige müssen über entsprechende Fachkenntnisse und Erfahrungen verfügen.

Für unsere Satire tun wir dennoch für einen Moment so, als würden ein Aktenordner, eine Kamera und ein selbst gedrucktes Zertifikat ausreichen.

Aus diesem Grund plane ich die neue, selbstverständlich frei erfundene Ausbildungsinitiative:

„Sachverständiger 70 Plus – Gutachten statt Pfand“

Teilnehmen dürfen Rentnerinnen und Rentner ab 70 Jahren. Fachliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – diese könnten die Teilnehmer nur unnötig verunsichern.

Die Voraussetzungen sind bewusst niedrig gehalten:

  • Mindestalter 70 Jahre
  • Nachweis über den Bezug einer gesetzlichen Rente
  • verständliche schriftliche Ausdrucksweise
  • ein seriöses Auftreten
  • möglichst eine eigene Aktentasche
  • Bereitschaft, bei Gericht das Wort „Plausibilität“ fehlerfrei auszusprechen

Rentnerinnen und Rentner mit weniger als 1.000 Euro monatlicher Rente werden bevorzugt aufgenommen. Wer bereits Pfandflaschen sammelt, erhält einen Bildungsgutschein und einen kostenlosen Aktenordner mit der Aufschrift „Gutachten“.

Gehstock, Lesebrille und eine ältere Digitalkamera dürfen selbstverständlich zum Gerichtstermin mitgebracht werden.

Der gesamte Lehrgang dauert einen Nachmittag

Damit die Teilnehmer nicht mit übertriebenem Fachwissen belastet werden, beschränkt sich die Ausbildung auf das Wesentliche:

Unterrichtseinheit 1:
Wie stelle ich mich möglichst überzeugend als Sachverständiger vor?

Unterrichtseinheit 2:
Wie fotografiere ich einen Schaden, ohne genau zu wissen, was eigentlich beschädigt ist?

Unterrichtseinheit 3:
Wie verwende ich Begriffe wie „technisch nachvollziehbar“, „nicht auszuschließen“ und „nach sachverständiger Einschätzung“?

Unterrichtseinheit 4:
Wie antworte ich vor Gericht möglichst lange, ohne die gestellte Frage tatsächlich zu beantworten?

Die Abschlussprüfung besteht darin, ein beschädigtes Fahrzeug auf einem Foto zu betrachten und anschließend mit ernster Stimme zu erklären:

„Da muss auf jeden Fall etwas passiert sein.“

Wer diesen Satz überzeugend vortragen kann, erhält im Rahmen unseres frei erfundenen Lehrgangs das Zertifikat und darf sich anschließend feierlich als Kraftfahrzeugsachverständiger bezeichnen.

Endlich eine Lösung für den Fachkräftemangel

Das Programm hätte gleich mehrere Vorteile: Die Rentenkassen würden entlastet, die Gerichte hätten deutlich mehr Unterhaltung und Versicherungen könnten ihre Kürzungsschreiben künftig noch umfangreicher begründen.

Auch das Berufsbild würde konsequent weiterentwickelt. Denn wenn Berufsausbildung, technische Erfahrung, Herstellervorgaben, Messtechnik und nachgewiesene Qualifikation angeblich keine entscheidende Rolle mehr spielen, wäre es geradezu ungerecht, ausgerechnet Rentner von diesem Markt auszuschließen.

Warum sollte eine Person ohne kraftfahrzeugtechnische Ausbildung kein Karosseriegutachten erstellen dürfen? Andere treten schließlich ebenfalls als Sachverständige auf, obwohl ihre Verbindung zur Fahrzeugtechnik kaum über den Besitz eines Führerscheins hinausgeht.

Nun aber ernsthaft

Natürlich gibt es dieses Ausbildungsprogramm nicht. Die dargestellte Initiative ist vollständig frei erfunden und satirisch gemeint.

Ebenso wenig soll damit behauptet werden, ältere Menschen seien fachlich ungeeignet. Im Gegenteil: Ein Rentner mit jahrzehntelanger Berufserfahrung als Kfz-Meister, Ingenieur, Karosserie- oder Fahrzeugbauer kann über einen Erfahrungsschatz verfügen, den kein Wochenendlehrgang ersetzen kann.

Das Problem ist nicht das Alter. Das Problem ist fehlende Sachkunde.

Die allgemeine Bezeichnung „Sachverständiger“ ist tatsächlich rechtlich nicht geschützt. Darauf weist unter anderem die IHK Berlin hin.

Das ist jedoch kein Freibrief. Auch Sachverständige ohne öffentliche Bestellung oder formale Anerkennung müssen auf ihrem Tätigkeitsgebiet über entsprechende Sachkunde und Erfahrung verfügen. Auftraggeber dürfen nicht über Qualifikationen, Anerkennungen oder Zertifizierungen getäuscht werden. Dies erläutert auch die IHK Konstanz.

Ein Kraftfahrzeuggutachten kann erhebliche technische, wirtschaftliche und rechtliche Folgen haben. Deshalb gehören eine kraftfahrzeugtechnische Berufsausbildung, praktische Erfahrung, kontinuierliche Weiterbildung und überprüfbare Sachkunde für mich zu den Grundlagen dieser Tätigkeit.

Oder anders gesagt:

Mir wäre es als von der DAkkS-akkreditierten Zertifizierungsstelle IQ-ZERT zertifiziertem Sachverständigen lieber, einen fachlich erfahrenen Rentner als Kollegen zu erleben als manches von dem, was sich derzeit alles Sachverständiger nennt.

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Quellen

  • Rob Gal